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Gutes Leben neu denken

Zur Rettung des Sprachraums als Kohärenzraum

Eigentlich reden wir miteinander[1], um unsere Bedürfnisse, Wünsche, Anliegen (Motivation, Intentionalität) und Beziehungsrollen untereinander abzustimmen. Das kommunikative Abstimmen geschieht aus dem Bedürfnis und im Hinblick auf kooperative Verbundenheit. So bildet die Sprache einen verbalen Kommunikationsraum als Grundlage und als Potential zu weiteren Kooperationen[2].

Mit der Sprache wird die Art und Weise des Kooperierens in einer Gesellschaft wesentlich 

geprägt. Um nachhaltig aufbauend zu

kooperieren, braucht es eine gute Abstimmung[3](Kohärenz) über gemeinsame langfristige Ziele, über die Intentionalität und die Rollen aller Teilnehmenden. Der gelebte und gesprochene Sprachraum ist ein Raum zum Herstellen von Kohärenz unter denkenden und handelnden Menschen in einem Kulturraum – ein Kohärenzraum. Diese Kohärenz wird über längere Zeit immer wieder den Erfordernissen angepasst: der Entwicklung der Mitglieder einer Kultur in ihren Beziehungen zur Menschheit und der mehrdimensionalen Umwelt. Dabei vermitteln Sprachen zwischen den Entwicklungen der Menschheit und den Indviduen. 



Störungen der Kohärenz des Sprachraums


Eine Störung der Kohärenz des Sprachraums kann durch ein Auseinandergehen der Entwicklungen in den Lebensdimensionen entstehen, also ganz besonders in historischen Übergängen – sowie heute z.B. u.a. durch die digitalen Medien. Das kann geschehen, wenn eine Kultur sich zu weit von den lebendig aufbauenden Kooperationen der Menschen und/oder ihren biologischen, sozialen und seelisch-geistigen Eigenschaften entfernt oder zu sehr an alten Mustern festhält, die ihre anstehende Entwicklung hemmen. Eine Inkohärenz im Sprachraum kann auch entstehen, wenn sich seine Umwelt stark verändert – entweder aus ihrer Eigengesetzlichkeit heraus oder durch Menschen gemacht – und damit eine neue Kooperation einer Kultur mit ihrer Umwelt erfordert.


Heute erscheinen große Störungen der Kohärenz des Sprachraums, von denen manche schon lange währen und jetzt eskaliert sind und andere relativ kurz entstanden sind – wie in Zeiten eines großen Übergangs.


Damit sind einmal eine Sinnentleerung der Sprache durch die Leugnung eines Sinns im Leben durch die Naturwissenschaften gemeint. Die klassischen Naturwissenschaften beanspruchten eine „Objektivität“, die mit Wahrheit gleichgesetzt wurde (und häufig heute noch wird) und setzt Subjektivität mit Täuschung und Irrtum also mit unwahr gleich. Die Natur entwickele sich demnach nach den physikalischen Gesetzen seit dem Urknall des Universums und steuere durch Entropie auf einen „Wärmetod“ zu. Die Zukunft wird von der Vergangenheit entsprechend der Naturgesetze bestimmt. In diesem alten naturwissenschaftlichen Glaubenssystem ist kein Platz für das, was wir Sinn, Ziel, Zweck oder Bedeutung eines Phänomens nennen. Eine sinnhafte Zielorientierung „Teleologie“ des Menschen hatte demnach keine objektive Wahrheit, sondern sei subjektive Einbildung /Täuschung[4]. Die Zielorientierung wird erst seit etwa 20 Jahren durch die Erkenntnisse der Chaos- und Komplexitätsforschung bezüglich Attraktoren in manchen Fachkreisen hoffähig.


Die Sinnentleerung der Sprache findet heute mit der Digitalisierung und KI ihren Höhepunkt und hoffentlich ihren Wendepunkt.[5] Computer und KI kennen keinen lebendigen Sinn und keine Bedeutung – nur Algorithmen und Daten. Wie diese als Werkzeuge eine sinnvollen Einsatz finden können, bleibt Thema weiterer Reflexion und Diskussion.

Weiter kommt eine Kommerzialisierung der Sprache zu ihrem Höhepunkt. Mit Kommerzialisierung ist die Verknüpfung von positiven Bedeutungsinhalten von Wörtern mit Konsumgütern gemeint. So bedeutet „Liebe“ in der Werbesprache nicht nur zu Weihnachten, Schokolade oder anderes zu schenken. Der Slogan von Merci im abgebildeten Beispiel, „Lass Herzen sprechen“, bedeutet hier, für 2.99 € die Pralinen Merci zu kaufen. Gesundheit bedeutet in vielen Zeitschriften, ein Wellness-Paket zu buchen.

Die Militarisierung der Sprache begann nicht erst mit dem Ukraine-Krieg, sondern schon in der Corona-Zeit. Damit begann die in Kriegszeiten übliche binäre Aufteilung in moralisch ausschließend entweder Freund („gut“) oder Feind („böse“) besonders in vielen Massenmedien – möglichst ohne Zwischentöne, ohne gegenseitiges Verständnis und als Wichtigstes: ohne Abstimmen. Binäres Denken passt zum digitalen Sprachverständnis und zum Urteilen. Ein Verurteilen anderer regt die aversive Interaktion im Macht-Opfer-Dreieck[6] an.


Beiträge zur Kohärenz der Sprache

Zur Unterscheidung zwischen bedeutungsloser und deshalb Fake-Sprache (durch KI- wie z.B. chatGPT) und von lebendiger Intelligenz formulierter lebendiger Sprache können Fragen helfen wie: Was ist die Intentionalität des Autors? Was bewirkt der Text in mir?


Zur Unterscheidung einer psychologischen/kognitiven Kriegsführung (letztlich Kriegspropaganda) von einer friedlich motivierten Sprache, können zusätzlich diese Fragen helfen: Bringt der Text Argumente für Frieden oder Vergeltung? Erzeugt er ein Gefühl in Richtung Frieden oder von Angst und Gewalt?


Richtungsweisend können und sollen wir uns über die Fragen austauschen und abstimmen: Welche Art von Sprache willst du und wollen wir kultivieren? Wie wollen und können wir unseren Sprachraum kohärenter und salutogener mitgestalten?


Ausgehend davon, dass der übergeordnete evolutionäre Sinn und Zweck von Sprache ist, Menschen überindividuell intentional zu verbinden – können wir intentional sprechend immer komplexere Kommunikation und Kooperation entfalten. Ein sprachlicher Kommunikationsraum bildet einen potentiellen Kohärenzraum für menschliches Kooperieren zum guten Leben. Mit diesem Kohärenzraum ist ein Resonanzraum gemeint, in dem Menschen in Kommunikation miteinander ihre Gesellschaft und Kultur passend aufbauend und entwicklungsfördernd mitgestalten – passend auch in größere, menschliche und ökologische Zusammenhänge.


Eigene Anliegen kommunizieren

Ausgehend von dem Wissen um die drei Grundmotivationen[7] und deren Zusammenspiel braucht es mehr Kommunikation, die durch die Kohärenzmotivation veranlasst ist. Es braucht mehr Reden über eigene und Abstimmen über gemeinsame Kohärenzziele. Das bedeutet, dass wir die Sprache primär zur Kommunikation unserer Bedürfnisse, Wünsche und auch längerfristigen Anliegen gebrauchen, für individuelle, gemeinschaftliche, kulturelle, globale und geistige Ziele. Zum Abwenden von Gefahren sollen wir sie nur kurzfristig und ansonsten sekundär verwenden (s. „kokreative Gruppenprozesse“), ebenso zur Ausrichtung auf lustversprechende Ziele.


Zu diesem Thema gibt es noch viel zu reflektieren, auszutauschen und zu diskutieren: Was hängt alles mit einer Sprache zusammen? Welche Art von Sprache wollen wir kultivieren? Wie können die verschiedenen Erstsprachen untereinander Kohärenz finden? Damit Sprachräume und auch die globale Kommunikation kohärenter werden, salutogener und aufbauender?


Ich freue mich, wenn du dich an diesem kokreativen Austausch beteiligst – durch Kommentare, Fragen und eigene Beiträge.

Bei diesem Beitrag bedanke ich mich herzlich bei Frau Prof. Dr. Daniela Rotter und Herrn Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter für hilfreiche Kommentare.


Anmerkungen


[1] Schulz von Thun ist bemüht, mit seinem Vier-Seiten-Modell der Kommunikation (Sachaspekt, Selbstaussage, Beziehungsaspekt und Appell) diese so zu beschreiben, als gäbe es keine verbindende Motivation hinter dem Sprechen (außer beim Appell). Unter dem hier genannten Aspekt des Kooperierens als Sinn und Zweck von Kommunikation rücken andere Teilaspekte in den Fokus der Betrachtung, wie insbesondere die Intentionalität zur und die Rollen in der Kooperation (vgl. Tomasello). Diese beiden Aspekte sind sehr ähnlich den von Watzlawick genannten Inhaltsaspekt und Beziehungsaspekt.


[2] Kooperieren wird hier sehr weit verstanden als „Zusammenwirken zu einem gemeinsamen Zweck“.


[3] Für das Ziel dieser Abstimmung werden unterschiedliche Begriffe verwendet: Konsens, Passung, Konsistenz, Kongruenz, auch Resonanz und kognitive Konsonanz. Ich habe mich für den Begriff Kohärenz entschieden, weil er am besten eine Prozesshaftigkeit bezeichnet und kompatibel mit der Bezeichnung von ähnlichen Phänomenen in unterschiedlichen Wissenschaften ist (z.B. Physik, Gesundheitswissenschaft, Psychologie, Soziologie). Eine hinreichende Kohärenz bildet die Grundlage für Resonanz.


[4] Die wissenschaftstheoretischen und philosophischen Hintergründe habe ich 2021 in meinem Buch „Schöpferisch kommunizieren – Aufbruch in eine neue Dimension des Denkens“ ausgeführt.


[5] Ähnliche Gedanken zur Sprache finden wir in der „Simulationstheorie“ von Jean Baudrillard ausgeführt.


[6] Das Macht-Opfer-Dreieck bezeichnet ein Interaktionsmuster, das in Gesellschaften aus einer verletzenden Täter-Opfer-Interaktion erfolgt. Eigentlich soll es in menschlichen Kulturen Sicherheit von Opfern herstellen und Verletzungen vorbeugen. Die Interaktionen sind von der Aversionsmotivation veranlasst. Das Macht-Opfer-Dreiecksmuster beinhaltet die Interkationen der Rollen von Täter-Opfer und Richter/Retter. Wenn sich das Interaktionsmuster verselbständigt (was leider häufig vorkommt) produziert es Opfer anstatt sie zu verhindern (vgl. a. „Drama-Dreieck“ von S. Karpman; „Hilflose Helfer“ bei Schmidbauer).


[7] Kohärenz,- Appetenz- und Aversionsmotivation; s. Petzold & henke 2023: Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Lebens“ www.geen.de.

Kommentare zum Beitrag

Falk Fischer

1. November 2023 um 14:54

Eines der wichtigsten Punkte in der Sprache ist meiner Meinung nach die Prosodie oder – wie der Volksmund so sagt: Der Ton macht die Musik. In Sprache ist es ja möglich, reine Sachaspekte komplett anders zu verstehen (man lasse nur mal Paare, die sich trennen wollen, bestimmte sachliche Vorfälle schildern – zwei komplett unterschiedliche Geschichten zum selben Sachverhalt), oder man kann sich trotz sachlich falscher Inhalte richtig verstehen. Das Gesagte und das Gemeinte sind oft zwei verschiedene Welten, unterschieden häufig allein durch die Sprachmelodie. ‚Tief ist der Brunnen der Vergangenheit‘ lautet der Einleitungssatz eines berühmten Romans, der einen in eine ganz andere Welt (in ein anderes Priming) reinnimmt als der inhaltlich identische Satz: ‚Der Brunnen der Vergangenheit ist tief‘. Durch die Art der Melodieführung setze ich meinem Gegenüber eine andere Deutungsbrille auf, und Schriftsteller achten immer sehr genau darauf, dass sie die Worte so setzen, dass die Sprachmelodie in der genau richtigen Weise fällt. Vermutlich wird Kohärenz viel mehr auf der Ebene der Melodie als auf der Sachebene hergestellt.

Susanne Sußner

1. November 2023 um 22:55

Die durch Massenmedien vermittelte Sprache prägt unsere Alltagkultur enorm und hat sich mehr und mehr zum propagandistischen Herrschaftsinstrument entwickelt und eine große Verunsicherung auch im Umgang mit der Sprache mit sich gebracht. Ob es bestimmte Worte sind, die offiziell aussortiert wurden, ob es Anglizismen oder das sogenannte gendern ist, all das verändert unsere Sprache in rasanter Weise, ohne dass wir ein Mitspracherecht darüber gehabt hätten. Ältere Menschen z.B. fühlen sich mitunter nicht mehr richtig dazugehörig, weil sie viele Worte gar nicht mehr als ihre Sprache verstehen.

Wenn diese Verunsicherung dann auch noch auf eine dysfunktionale Fehlerkultur trifft wie in der deutschen Gesellschaft, wird es schwierig bei der Kommunikation in den Kohärenzmodus zu kommen.

Das schaffen dann vielleicht jene, die sich um Fehler nicht so viel Gedanken machen. Ich glaube, dass neben Ehrlichkeit beim Kommunizieren auch ganz viel Humor und Sprachwitz hilfreich sind, um wieder mehr zum Wesentlichen und Lebendigen zu finden. Dort, wo Sinnentleerung der Sprache Einzug gehalten hat, brauchen wir mehr Sinn, und den können wir uns nur selbst geben. Über sinngebende Themen sich auszutauschen, wäre also im Gespräch ein Ansatzpunkt.

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Deutsches Diagramm von Bewusstsein und Zeit: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft mit einem blauen Pfeil und beschrifteten Ebenen
von Dr. med. T.D. Petzold 25. Juli 2025
Angesichts sich überschlagender Krisenereignisse in der Welt, scheint es angebracht, einmal zu versuchen, diese in einem größeren historischen Rahmen zu reflektieren. Womöglich ergibt sich aus einer etwas distanzierteren reflexiven Sicht mehr Klarheit über die größeren Zusammenhänge und auch darüber, wohin die Entwicklung im positiven Fall gehen kann. Grob zusammengefasst ist die hier vertretene These: Die kulturelle (R-)Evolution im 20. Jhdt. (insbesondere der 2. Hälfte, hier als „Wendezeit“) bezeichnet) ging in Richtung einer humanistisch geistig geprägten Ära, die häufig Informationszeitalter genannt wurde. Die Menschheit mit ihren Kulturen war auf dem Weg, sich in ein Zeitalter zu entwickeln, in dem der lebendige Geist das gute Leben zunehmend menschlich bestimmt. Diese (R)Evolution gefiel aber nicht allen. Insbesondere GewinnerInnen einer materialistisch ausgerichteten Denk- und Wirtschaftsweise agierten immer offener zur konter(r)evolutionären „Zeitenwende“. Im vorliegenden Beitrag, dem ersten Teil zu diesem Thema, geht es um die „Wendezeit“, wie ich sie erlebt habe und jetzt reflektiere. Im folgenden 2. Teil (voraussichtlich Ende August) geht es dann um die „Zeitenwende“, die die geistigen Entwicklungen der Menschheit versucht rückgängig zu machen. Im 3. Teil soll es dann um vorhandene zukunftsweisende Entwicklungen gehen. Ich lade Sie / Dich herzlich ein, bei dieser Meta-Reflexion mitzuwirken. Bitte schicken Sie mir Ihre / Du Deine Gedanken zu meinen Posts oder zu eigenem Erleben von Wendepunkten in der Wendezeit sowie auch zu Erfahrungen und Reflexionen zur Zeitenwende und zur Zukunftsperspektive. 1. Teil: „Wendezeit“ - Evolution der Menschlichkeit Gerade hat der Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig aus Innsbruck mir eine Präsentation geschickt zu den „Co-Benefits Klimahandeln“. Er macht deutlich, wie viel in den letzten 40 Jahren im Umweltschutz schon erreicht wurde, das sich auch positiv auf die Gesundheit wie auch die Kindersterblichkeit auswirkt. Diese positiven Veränderungen wurden nach dem 2. Weltkrieg immer sichtbarer. In Wissenschaften Einige LeserInnen erinnern sich womöglich noch an das Buch „Wendezeit“ von dem Physiker und Philosophen Fridjov Capra, das 1983 in Deutsch erschien. Es war ein Highlight des intellektuellen Zeitgeschehens aus der Mitte der 2. Hälfte des 20. Jhdt. Capra versuchte dabei, Physik und Spiritualität zu integrieren. Er führte neue Methoden zur Integration des Subjektes sowie der Komplexität in das wissenschaftliche Arbeiten aus. Beide Themen sind große Herausforderungen für viele WissenschaftlerInnen (s. Capra 1983; Petzold 1996, 2001, 2022, 2024 u. Blog-Beiträge vom 1.2.2024 (Komplexität und Sprache) und 4.3.2024 (Subjektivität und Objektivität). In verschiedensten oder sogar allen Wissenschaften gab es in dieser Wendezeit Ansätze für neues Denken und Forschen. Thomas S. Kuhn hatte 1962 mit seinem Buch zur Struktur wissenschaftlicher Revolutionen einen „Meilenstein zur Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie“ (Wikipedia) gesetzt. Mit diesem Buch wurde der Begriff Paradigmenwechsel popularisiert. Nach Kuhn verläuft die Evolution der Wissenschaften in Phasen, die an das dialektische Prinzip von Hegel, Marx und Engels erinnern. Starke Impulse für Paradigmenwechsel in vielen Wissenschaften kamen aus der Quantenphysik und theoretischen Physik, aus der auch Capra berichtete. Auch die Kybernetik, Informatik, Systemtheorie und später die Chaosforschung gaben wichtige Anstöße zu einem neuen Denken. Von dem Biologen v. Bertalanffy wurde die Systemtheorie formuliert, die das moderne Denken in allen Lebenswissenschaften sowie auch Therapie- und Beratungsmethoden stark prägt. Sowohl in theoretischen Sozial- und Geisteswissenschaften als auch in praxisbezogenen Gesundheitswissenschaften wie der Psychotherapie, der ganzheitlichen Medizin (Gesundheitstag 1980) bis hin zur Ottawa-Charta der WHO 1986 wurde „out oft he box“ gedacht und es wurden neue Perspektiven, Praktiken und Theorien diskutiert (z. B. auch Antonovskys Salutogenese).
von Dr. med. T. D. Petzold 24. Januar 2025
Wir Menschen lernen sprechen im vertrauten Kreise unserer Familie. Sprechen erweitert unsere Kommunikation zunächst mit unseren vertrauten und nächsten Mitmenschen. Sprechen, dazu gehört jede Form von Kommunizieren mit vereinbarten Zeichensystemen, ermöglicht uns eine differenzierte Kommunikation über Ziele, Wünsche und
Eine Gruppe von Menschen steht draußen und hört einem Mann zu, der spricht. Einige tragen Sonnenbrillen und helle Kleidung.
von Dr. med. T. D. Petzold 2. Dezember 2024
Am 15.8.2024 wollte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil das „Geheimnis von Heckenbeck“ erkunden und lösen. Heckenbeck ist ein Dorf, ein Ortsteil von Bad Gandersheim, das schon mehrfach Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: u.a. durch Preise bei Landeswettbewerben „Unser Dorf hat Zukunft“ sowie durch NDR-Fernsehfilme von Christian Pietscher „Dorf macht glücklich“ und „Lust auf Dorf“ (2016). Das Dorfleben in Heckenbeck floriert seit vielen Jahren mit traditionellen Vereinen und besonders mit vielen neuen „alternativen“, meist von Kooperationen gegründeten und betriebenen Projekten wie einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis, einer Hebammenpraxis, einer Freien Schule mit Kindergarten, der „Weltbühne“ (ein soziokulturelles Zentrum des „KuK e.V. Kommunikation und Kultur“), einem Meditationshaus, einer Solidarischen Landwirtschaft mit Gemüseanbau, einem Mitglieder-Bioladen, mehreren Handwerksbetrieben … Die Einwohnerzahl ist in den letzten 40 Jahren um 25% gestiegen, während sie in den meisten anderen Dörfern Südniedersachsens um etwa 20% zurückging. Was ist anders – gibt es ein „Geheimnis von Heckenbeck“? In Heckenbeck leben viele Menschen weitgehend selbstbestimmt. Sie kommunizieren kokreativ und kooperativ. Es gab einen intensiven Kommunikationsprozess, der immer noch anhält. Natürlich auch immer wieder mit schmerzhaften Erlebnissen. Als ich dem MP vor dem „Brennesselhof“, auf den ich 1984 gezogen war, in fünf Minuten die Geschichte des gemeinschaftlichen Lebens in Heckenbeck erklären sollte, habe ich von unserem kooperativen und gegenseitigen Helfen mit den Landwirten vor 40 Jahren berichtet und von der kokreativen Zusammenarbeit der neu dazu gezogenen. Und von der Entfaltung der Kommunikation im Gemeinschaftsleben, unter anderem durch die Kabarettistin Elisabeth Möller, die Erfahrungen im Theater der Befreiung von Augosto Boal und anderem hatte. Durch Loslassen und Zurückhaltung der therapeutischen Rolle und einem Kultivieren des Ausdrucks der eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche, Anliegen und Visionen konnten wir eine vertrauensvolle Nähe herstellen. – Für weitere Einzelheiten blieb bei der Dorfführung mit dem MP keine Zeit. Aber hier kann ich Weiteres berichten. Verschiedene Menschen haben verschiedene Methoden zu kommunizieren in das alternative Dorfleben in Heckenbeck eingebracht: die Forumsarbeit aus dem ZEGG, den Redestab-Kreis aus indigenen Traditionen, Visionssuche, Gewaltfreie Kommunikation GfK, Co-Counceln aus der amerikanischen Selbsthilfebewegung … Dann habe ich den Verlauf der erfolgreichen lösenden Gespräche wie z. B. in unserer Hofgruppe reflektiert und daraus eine Methode formuliert, aus der später auf unserem Salutogenese-Symposium unter dem Einfluss weiterer „Techniken“, wie der OpenSpace-Technology der „Kokreative Raum KoRa“ wurde[1]. „ko-ko-ko“ macht glücklich Die Mischung aus einer vertrauensvollen kooperativ zupackenden Haltung (typisch männlich?) und einer offenen, mitfühlenden und sich mitteilenden Kommunikation (typisch weiblich?)[2] hat womöglich die Kokreativität zur Entfaltung gebracht und „glücklich“ und zufrieden gemacht. Für alle Beteiligten war dabei Geld verdienen, persönlichen materiellen Gewinn machen, nicht das oberste Ziel des Arbeitens wie Kooperierens. Allerdings hatte es seinen wichtigen Stellenwert, wie in der heutigen Realität erforderlich, aber dennoch nachrangig. An erster Stelle stand ein gutes Leben, ein erfülltes, sinnvolles Leben zu führen – gemeinsam und in und mit der Natur: der umgebenden wie auch unserer eigenen inneren. Das erscheint als artegerechtes Leben: kokreativ kooperativ kommunizieren kokoko. Das zeigen inzwischen viele Forschungen[3]). Das „Geheimnis von Heckenbeck“, das gemeinschaftliche Leben in und mit der Natur, ist im Kern womöglich ganz einfach die naturgegebene Art des Menschen, gut zu leben.
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von Dr. med. T.D. Petzold 22. Dezember 2023
MASSENMEDIEN UND SPRACHE ALS MITGESTALTUNGSRAUM Wenn wir den Sprachraum als Mitgestaltungsraum wollen…?