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Gutes Leben neu denken

Frieden im Angesicht eines Angriffs?
Anknüpfend an den Beitrag vom 21. März ist die Frage im Raum, wie wir, als Frieden liebende Menschen, uns bei einem Angriffskrieg verhalten wollen.
Es geht nicht darum, politische Machtspiele mitzuspielen und Partei für Putin oder die USA zu ergreifen. Es geht schlicht und einfach um unser eigenes Wohl, wie es in der Situation der Ukraine wäre. Wollen wir uns wehren und schützen: Auge um Auge, Zahn um Zahn? Oder den Angreifern noch „die andere Wange hinhalten“? Oder ihnen mit stillem Widerstand begegnen, Kooperation verweigern und nicht über uns bestimmen, uns nicht regieren lassen? Oder versuchen, sie zu vernichten?
Wie haben wir und unsere Nachkommen und womöglich alle anderen Beteiligten nachhaltig ein gutes Leben mit Leib und Seele? Dazu brauchen wir einen breiten öffentlichen Diskurs, bevor wir unser Militär hochrüsten und die Rüstungsindustrie füttern anstatt die Menschen und die Kinder für ein gutes Leben in Frieden zu bilden. Anne Lohmann (Heilpraktikerin, SalKom-Therapeutin und Buchautorin „Esskultur pur“) hatte unseren offenen Brief (s. Post vom 21.3.2024) an die Bildungsministerin weitergesendet und – anders als wir – eine Antwort darauf bekommen. Auf diese Antwort vom „Referat Öffentlichkeitsarbeit; Bürgerdialog“ hat sie wieder einen Brief an das BMBF geschrieben, der uns so gut gefällt, dass wir ihn hier veröffentlichen –zusammen der Antworten des BMBF.
Am 25.04.2024 um 13:54 schrieb L22 Posteingang :
Sehr geehrte Frau Lohmann,
vielen Dank für Ihre Zuschrift an die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger MdB, vom 25. März 2024. Frau Stark-Watzinger hat uns gebeten, Ihnen zu antworten.
Schulen tragen dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für geopolitische Entwicklungen und kritische Lagen entwickeln. Denn die Gesellschaft muss insgesamt besser mit Krisen wie etwa Pandemien, Kriegen oder Naturkatastrophen umgehen können. Zivilschutz ist dabei ein sehr wichtiger Faktor, der auch in die Schulen gehört. Er soll darüber hinaus junge Menschen auf das Leben vorbereiten, indem sie die Bedrohungen der Freiheit kennenlernen und mit Gefahren für die Freiheit umgehen können.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit verbundene Zeitenwende müssen vor diesem Hintergrund selbstverständlich ebenfalls Thema im Schulunterricht sein. Dazu gehört auch ein unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr, die als Parlamentsarmee Teil unserer Gesellschaft ist und unsere Freiheit verteidigt. Ihr Referat Öffentlichkeitsarbeit; Bürgerdialog ____________________________________
Referat L22 – Öffentlichkeitsarbeit; Bürgerdialog
Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Tel.: +49 30 18 57-0 | Fax: 030 1857-5503
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Von: Lohmann Anne
Gesendet: Donnerstag, 25. April 2024 23:05
An: L22 Posteingang ; information@bmbf.bund.de; poststelle@bmbf-bund.de-mail.de Betreff: Re: M-Anfrage Kinder zu Frieden befähigen
Sehr geehrte Mitarbeiter des Referats für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerdialog,
Ihre Antwort habe ich erhalten, danke dafür. Ich möchte Ihnen allerdings darauf ein zweites Mal antworten und Ihnen sagen, dass Sie sich – als Vertreter einer Bundesministerin und als Vertreter der Regierenden allgemein – wirklich nicht wundern müssen, dass Menschen sich so von „der Politik“ nicht gehört fühlen und zunehmend politikverdrossen bis ablehnend ihr gegenüber werden.
Selten habe ich eine Antwort gelesen, die am Geschriebenen so vorbei geht, wie die Ihrige.
Um es nochmal deutlich zu sagen: In einer Weltlage, die so bedroht ist wie die unsere, kann und darf es nicht der Hauptfokus der Politik und der Schulen sein, Kinder zur Benutzung von Waffensystemen und primär zur Abwehr zu befähigen. Unser vorrangigstes Ziel müsste sein, Kinder mit allen Mitteln, die uns in der Gegenwart zur Verfügung stehen, zum Frieden und zum Vorbereiten des Friedens, zu einer friedlichen Geisteshaltung im Kleinen wie im Großen und zu einer nicht eskalierenden Konflikt-und Austauschbereitschaft zu erziehen.
Wir dürften lernen können, worauf wir verzichten können, nicht nur worauf wir ein Recht haben. Und dass eine Welt von Morgen, in der es viel mehr um den Erhalt des Planeten als Ganzem geht und nicht mehr um die Durchsetzung territorialer oder autoritärer Interessen, heute schon beginnen kann – und beginnen muss, wenn wir am Ende aller Machtkämpfe noch eine Welt haben wollen, auf der es sich zu leben lohnt. Wo ist die entschiedene Bereitschaft der Regierenden, wo sind die Werkzeuge, Ideen und die Konzepte, die DAS VOR allem anderen vermitteln? Auf Regierungsebene und bis runter in die Schulen? Erst wenn Sie damit überzeugend voran gegangen wären, dürften Sie aus meiner Sicht von Bundeswehr und von Verteidigung (als reiner Bereitschaft zur Notwehr) sprechen, ganz besonders vor Kindern.
Es ist möglicherweise politisch und gesellschaftlich gesehen leichter, einem Heer den Waffengebrauch beizubringen. Aber es dürfte zukunftsweisender sein, dafür einen Beitrag zu leisten, dass Völkerverständigung auch unter extremsten Bedingungen gedacht und gelebt wird. Und dass wir alle – bis zu den Kleinsten – wissen, dass wir dabei gefragt sind und dass es eine Sache aller ist.
Bitte lassen Sie Ihre Bundesministerin, Frau Bettina Stark-Watzinger diese Nachricht persönlich zukommen. Erlauben Sie Ihr und uns allen, dass der gesellschaftliche Dialog eine Note bekommt, die jenseits von Schlag und Gegenschlag wirklich zukunftsfähig ist.
Und ermöglichen Sie bitte mir – vielleicht beispielhaft für viele andere, denen es genauso geht – die Erfahrung, dass die Gedanken von uns, die wir „regiert“ werden, in diesem Land Gehör finden, als relevant in Betracht gezogen werden und in die Entwicklung von politischen Strömungen einfließen werden. Das wäre Demokratie Erfahrung, die begeistern könnte.
Ich möchte noch hinzufügen, dass es als Therapeutin mein tägliches Brot ist, mit Menschen zu arbeiten, die traumatisiert sind. Junge Menschen und Menschen aus den Generationen von der Kriegszeit bis heute. Gerade weil ich nahezu täglich erlebe, dass Gewalt und Trauma über Generationen hinweg destruktiv in das Leben Einzelner und ihrer Familien hinein wirkt, habe ich in meinem Arbeitsleben alles daran gesetzt, Methoden zu finden, zu lernen und anzuwenden, die inneren Frieden ermöglichen, die Heilung in Gang setzen und die Eskalation und Konflikt bis ins Kleinste hinein zu vermeiden wissen. Anders als noch vor fünfzig Jahren haben wir diese Werkzeuge heute. Wir müssen sie nur nutzen.
Ja natürlich, auch mir ist klar, die Ukraine ist angegriffen worden und Putin ist ein Autokrat und Diktator. Doch eins ist sicher, wenn die Welt aufhören würde, NUR in Schlag und Gegenschlag zu agieren und genau so viel Energie investieren würde in alle, wirklich alle denkbaren Modelle zu Befriedung, würden sich andere Wege auftun. Entfalten Sie bitte Ihre Kreativität dafür. Führen Sie die Gesellschaft – und das Bildungswesen – dem Sie voranstehen, in einer Weise, die keine neuen Kriege vorbereitet, sondern die Möglichkeiten zur Deeskalation beständig ausweitet.
Als Therapeutin fragt man sich täglich, wie viele Generationen wollen die Mächtigen mit den alten Methoden des Denkens und Handelns noch erneut und wieder in diese Gewalterfahrungen hinein führen, bis auch die regierende Ebene wirklich begreift, dass am Frieden absolut kein Weg vorbei führt? Auch weil es sonst – neben dem unermesslichen individuellen Leid – vielleicht unser letzter erstrittener Frieden auf diesem Planeten sein könnte.
Gehen Sie – bitte – ins Gespräch mit den Menschen, die zu den anderen Wegen der Befriedung etwas zu sagen haben. Tragen Sie es in die Öffentlichkeit, dass es mehr gibt als nur Sanktionen und Waffenlieferungen. Seien Sie so mutig, nach dem Neuen zu suchen, nach dem Zeitgemäßen, nach der destillierten Form des Gelernten aus den Lektionen des zweiten Weltkriegs. Gehören Sie zu denen, die es anders machen als der regierende Mainstream. Bitte holen Sie sich die Fakultäten und die Fachleute in Ihre Beratergremien, die primär dazu etwas beizutragen haben. Das wäre Politik, die weltweit positives Aufsehen erregen würde und die auf dieser Welt beginnen könnte, das Blatt zu wenden.
Abschließend sei gesagt: eine diesmal wirklich persönliche – und nicht erneut vorgefertigte – Antwort, die auf das Geschriebene wirklich eingeht, würde mir zeigen, dass es für uns Bürger noch Sinn macht, an Politik zu appellieren. Für weiterführende Gespräche bin ich bei Interesse jederzeit ansprechbar.
Mit besten Grüßen an Frau Stark-Watzinger,
hochachtungsvoll, Anne Lohmann










