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Gutes Leben neu denken

MASSENMEDIEN UND SPRACHE ALS MITGESTALTUNGSRAUM

Wenn wir den Sprachraum als Mitgestaltungsraum wollen…?

Im miteinander Reden teilen wir unsere Bedürfnisse und Anliegen mit, unsere evolutionär entwickelten und erprobten Instinktmuster, unsere Kenntnisse sowie unsere intuitiv erfassten Informationen aus womöglich geistigen Quellen. Der verbale Austausch dient dem Abstimmen unseres Miteinander-Lebens sowie letztlich unserem Kooperieren zum Zwecke eines guten Lebens für möglichst Alle. Im Sprachraum kokreieren wir die Zukunft. Dabei spielt auch die Kommunikation über wahrgenommene Bedrohungen und den Umgang damit eine wichtige Rolle.

Dieser ursprünglich und originär kokreative Sprachraum erfährt heute allerdings einen Übergang ins Ungewisse – ganz besonders durch die Einseitigkeit und Kommerzialisierung der Top-down-Struktur der Massenmedien. Massenkommunikation ist fast gänzlich einseitig und damit eine Machtausübung mittels Sprache (s. Kommentar von Susanne Sußner vom 1.11.2023).

Sprache als Machtinstrument

Heute wird so der Sprachraum über Massenmedien weitgehend von wenigen Menschen und Organisationen top-down dominiert.  Von einer 4. Gewalt im Staate ist die Rede, die (noch) nicht bottom-up-demokratisch legitimiert ist. Sie ist als Teil der kapitalistischen Marktwirtschaft wesentlich kommerziell geprägt. Im kapitalistischen Wettbewerb zählen hohe Verkaufszahlen. Diese werden erreicht, indem Medien die Aufmerksamkeit der Massen auf psychologischer Basis durch emotional tangierende Schlagzeilen und Aufmachung wecken und einfangen (vgl. "Sozialmedizinische Fallstudie" von T.D. Petzold


Zur Psychologie der Aufmerksamkeit

An dieser Stelle kommt die Psychologie ins Spiel, die sich die Werbe-, Kommunikations- und Medienpsychologie zunutze machen, um den Verkauf zu optimieren. Die Aufmerksamkeit der Massen lässt sich kurzfristig am besten erreichen durch Bedrohungsmeldungen – egal, ob und in welchem Ausmaß diese wirklich vorhanden sind – sowie Berichte von Persönlichkeiten mit großem Ansehen.

Dass wir angesichts von Bedrohungen schnell agieren, um diese abzuwenden, macht evolutionsbiologisch und psychologisch Sinn. In unserer Zivilisation und für die Massen haben wir in aller Regel allerdings genügend Zeit, um überlegt, in Ruhe und Vorbereitung auf Gefahren zu reagieren. Ständige Krisenmeldungen erzeugen nur unnötigen Stress und Angst und machen manipulierbar. Das wird als Überlebenskampf gerechtfertigt. Allerdings brauchen wir für unser nachhaltiges (Über-)Leben in Gesundheit und Wohlergehen, für unsere Salutogenese vielmehr Gelassenheit, Ruhe, Langsamkeit, Entspannung und Kreativität und eine gesellschaftliche Abstimmung über positive Ziele (s. Petzold & Henke 2023). Vermutlich wären Schlagzeilen zum Thema eines guten Lebens und Frieden überall für viele langweilig. Damit können die Verlage im Rahmen kapitalistischer Konkurrenz vielleicht nicht genug Gewinn machen.


Neuropsychologisches Verstehen

Die menschliche Psychologie wird von drei Grundmotivationen bestimmt, die jeweils neuronalen und hormonellen Netzwerken zugeordnet sind (s. Petzold & Henke 2023). Es sind 1. die langfristig übergeordnete Kohärenzmotivation, die nach einem stimmigen, passenden Leben mit der Umwelt strebt (verknüpft mit dem Präfrontal-Cortex PFC, Serotonin, Parasympathikus); 2. Die Appetenzmotivation, die nach Belohnung, wie Lusterleben z.B. durch Nahrungssuche und -aufnahme sucht (Lustzentren im Gehirn, Dopamin, kann sowohl mit dem 1. und 3. neuronalen Motivationssystem verknüpft sein); und 3. Die Aversionsmotivation, die Sicherheit durch Abwenden von Bedrohungen erreichen soll (Mandelkern, Adrenalin, Kortisol, Sympathikus, Stresssystem).

Alle drei Grundmotivationen sind in jedem Menschen von der evolutionären Anlage her vorhanden und können durch Umwelteinflüsse angeregt werden. Unsere Umweltbeziehungen werden über diese Grundmotivationen geregelt. Für ein gesundes und gutes Leben brauchen wir ein gutes Zusammenspiel dieser drei motivationalen Systeme. Für unser Thema hier ist besonders die Anregung durch Sprache interessant. Verbale Kommunikation erreicht bei vielen Menschen ihre tieferen Schichten der Motivation nicht so schnell und leicht. Es braucht dazu dann Bilder und häufige Wiederholungen.


Psychologische Kommunikations- und Interaktionsmuster

Durch ständige Bedrohungen wie Krisenszenarien in Massenmedien geschieht massenpsychologisch nun folgendes. Es bilden sich (mindestens) drei große Gruppen oder Kategorien von BürgerInnen:


  1. Immer mehr Menschen gucken und lesen zur eigenen Psychohygiene keine Nachrichten und Schlagzeilen mehr – als Selbstschutz, um noch hinreichend im gesundheitsförderlichen Kohärenzmodus zu bleiben.
  2. Die zweite Gruppe erscheint mir zur Zeit (noch?) als die größte: Sie konsumieren die bedrohlichen Nachrichten und Schlagzeilen und resonieren im Aversionsmodus. In diesem Gefahren-Abwendungsmodus entsteht ein instinktives Täter-Opfer-Rächer/Retter-Interaktionsmuster. Dabei strebt jeder, der sich bedroht fühlt (als potentielles Opfer) nach genügend Macht und Verbündeten, um potentielle Täter abzuwenden, zu neutralisieren (= Rache, Vergeltung, Verurteilung, Präventivschlag), und ggf. um Opfer zu retten. Es entsteht eine Macht-Opfer-Dynamik, die leicht zur Eskalation von Konflikten sowie zur Aufrüstung führt. Diese große Gruppe, die im Aversionsmodus entsprechend auf die bedrohlichen Nachrichten resoniert, spaltet sich auf in zwei Untergruppen:  1. Diejenigen, die inhaltlich der Benennung des bedrohlichen Feindes durch die Massenmedien zustimmen und Partei gegen diesen ergreifen, der sog. Mainstream 2. Diejenigen, die zwar auch im Aversionsmodus resonieren, aber der Benennung des Feindes widersprechen, diese ablehnen und den sog. Mainstream kritisieren oder gar bekämpfen.
  3. Die dritte Gruppe ist schwankend. Sie lesen und hören gelegentlich die Nachrichten über die Bedrohungsszenarien, ohne sich davon jeweils sehr anstecken zu lassen. Sie identifizieren sich mal mit dem einen, mal mit dem anderen oder mit keiner Partei. Sie finden zwischendurch immer wieder in ihre Stimmigkeit, ihren Gelassenheitsmodus, zu ihren Bedürfnissen, Anliegen und Ansichten – zu ihren Ressourcen zu friedlichen Lösungen.



Schlussfolgerungen zur Lösung der verletzenden Muster

Um diese Kommunikationsmuster im Abwendungsmodus heilsam zu lösen, hilft einerseits deren Erkennen und Metareflexion, um dieses Muster rechtzeitig abzubrechen. Weiter bräuchte es die (Selbst-?)Disziplin der Medien und AutorInnen, dass diese bei jeder geschilderten Bedrohung auch Anliegen, Ideen, Gedanken und Ansätze zur Lösung nennen und (zumindest) Fragen danach stellen. Dadurch können LeserInnen und KonsumentInnen angeregt werden, nach Lösungen zu suchen, ihre eigenen lösungsorientierten Bedürfnisse und Anliegen zu finden und zu kommunizieren und nicht ausweglos in der instinkthaft geprägten, zur Eskalation neigenden und stressenden Macht-Opfer-Dynamik hängenzubleiben.

Um das zu gewährleisten, könnte ein demokratisch legitimierter, von der Politik und Ökonomie unabhängiger Rat eine Aufsicht über die Massenmedien, die 4. Gewalt, führen. Medien müssen unabhängig vom kommerziellen Markt und der Politik und Lobbys sein. Sie sollen Kommunikationsforen für die Menschen bieten, in denen diese ihre wichtigen Anliegen austauschen und abstimmen können. Dazu sollen Medien mehr Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung der Massen kultivieren. So könnte womöglich auch im Feld der medialen Massenkommunikation ein erweiterter kokreativer Sprachraum hergestellt werden.

Theodor Dierk Petzold


Netzwerk Salutogenese 

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von Dr. med. Theodor Dierk Petzold 4. Juli 2026
Mit der Salutogenese gehen wir der Fragestellung nach: Wie können Menschen sich in Richtung Gesundheit entwickeln? Angefangen beim biologischen und sozialen Netzwerken zum guten Leben schauen wir jetzt weiter zu einem kokreativ kooperierenden intentionalen Netzwerken – auch online. Allgemeine wissenschaftliche Erkenntnis Mit den Worten moderner Wissenschaften können wir heute die Frage der Salutogenese ganz allgemein so beantworten: Gesundheit entsteht in intentionalen Netzwerken. 1986 wurde diese Frage lebenspraktisch in der Ottawa-Charta so beantwortet: „Gesundheit entsteht da, wo Menschen lernen, lieben...“. Wissenschaftlich können wir es heute differenzierter so formulieren: Menschen entwickeln sich in ihren Wechselbeziehungen vernetzter Strukturen sowohl im Gehirn mit Sinnesorganen als auch im ganzen Organismus gesund: zwischen (Bio-)Molekülen, Zellen und Organen sowohl innerhalb des Individuums als auch mit seiner natürlichen und künstlichen Umgebung; vernetzt mit anderen Menschen in Familie und Gemeinschaft, organisiert im Leben in der Sprache in gesellschaftlicher Ökonomie und im Geiste bezogen auf die ganze Menschheit und Biosphäre und womöglich in noch größeren Dimensionen wie dem Sonnensystem und Kosmos. Gesundheit und Kohärenz Selbst die Funktion unserer Biomoleküle wie die Aktivität der Gene steht in Wechselwirkung mit der Umwelt wie der Strahlung, Luft und Nahrung sowie zwischenmenschlichen Beziehungen (Epigenese). Das Zusammenwirken der mehrdimensionalen Netzwerke folgt dabei attraktiven Zielen wie Sollzuständen. Diese müssen ein Mindestmaß an Kohärenz (Stimmigkeit, Zusammenhalt, Passung) aufweisen. Praktische Konsequenzen Hat diese theoretische Erkenntnis Bedeutung für unser alltägliches Leben und unsere Gesundheitsarbeit? In diesem Blogbeitrag soll es nicht um das individuelle Gesundheitsverhalten wie Ernährung gehen. Hier möchte ich die kulturelle Dimension der Organisation salutogener Arbeit fokussieren und diskutieren. Wie kann sich eine Kultur mehr auf Gesundheit ausrichten? Wie entstehen in der Gesellschaft gesundheitsbildende Strukturen wie Organisationen? Nicht nur zur Erhaltung von Gesundheit, sondern zu ihrer Bildung, zur gesunden Entwicklung? Können intentionale wie spontane salutogene Netzwerke organisiert werden? Wie viel Freiheit und Spontaneität und wie viel Struktur ist förderlich? Und welche Strukturen? Wann wird eine Struktur hinderlich? Ein Beispiel Als positives Beispiel dafür denke ich an unsere Symposien im Mai 2024 und 2026 in Passau. Die (nicht organisierte) Netzwerkpartnerin Petra Keiten äußerte 2022 bei einem Treffen aus Anlass der Jahrestagung der ÖGL in Linz die Idee und den Wunsch, mal wieder ein Symposium zu haben. Die drei weiteren Anwesenden fanden die Idee gut und schon wurde gemeinsam beschlossen, 2024 ein Symposium zu organisieren. Alle vier fanden wie verabredet zu einer guten und professionellen Kooperation. In diesem Salutogenese-Symposium wurden die Teilnehmenden angeregt und entwickelten eine Aufbruchstimmung. – Mal angenommen, dass dies Symposium wirklich ein (ggf. kleiner) Beitrag und Schritt auf dem Wege bewusster gesunder Entwicklung der Gesellschaft war, stellt sich die o.g. Frage, ob und ggf. wie wir solche kokreative Netzwerkarbeit kultivieren und organisieren können, um immer mehr Salutogenese wie gesunde Entwicklung in der Gesellschaft zu entfalten. Hierarchische Strukturen Herkömmliche, überwiegend hierarchische Strukturen mit Vorständen bzw. Chefetage sind dort erfolgreich, wo die Mitglieder/MitarbeiterInnen („ArbeitnehmerInnen“) die Ideen bzw. Aufträge/Befehle von oben ausführen sollen, ohne eigene kreative Ideen einzubringen (wie es beim Militär in krasser Form praktiziert wird, in Unternehmen wie auch im Wissenschaftsbetrieb teilweise etwas offener). Diese hierarchische Organisation kann bei der Umsetzung kurzfristiger und technischer Projekte erfolgreich sein. Netzwerkarbeiten sind von Attraktiva geleitet Bei längerdauernden Vorhaben, die zur Selbstorganisation eines guten Lebens wie der Salutogenese dienen sollen, braucht es gerade die aktive Beteiligung und aufbauende kokreative Kooperation möglichst aller Beteiligten. Da ist das Ziel der Kooperation nicht so eindeutig wie beim Militär oder bei der Herstellung eines technischen Produktes. Das gesunde und gute Leben ist grundsätzlich komplex. Das bedeutet, dass es nicht von einem ausgedacht und formuliert werden kann und dann nur umgesetzt werden muss. Es ist ein ständiger Entwicklungsprozess mit vielen z.T. rhythmischen Dynamiken und einem sehr diffusen attraktiven Ziel – einer „regulativen Idee“ oder „Leitidee“ [2] . Dieses hat mehr das Wesen einer komplexen Attraktiva zur Anziehung von Energie und Materie, die nicht eindeutig berechnet oder gar gemessen werden kann. [3] Wenn wir mit der abstrakten salutogenen Attraktiva, der Leitidee „Gesundheit“ und/oder „Kohärenz“ in Resonanz gehen, verbinden wir uns intentional. Aus dieser geteilten und gemeinsamen Intentionalität entfaltet sich dann ein kokreatives Kooperieren [4] – z. B. in Netzwerken, wie bei unserem Beispiel der Salutogenese-Symposien 2024 und 2026. Sehendes Vertrauen für kokreatives Kooperieren Dazu brauchen wir erstens das allgemeine (Ur-)Vertrauen, dass gerade diejenigen unter der salutogenen Intentionalität aktiv werden und Verantwortung für ein Projekt übernehmen wollen und im Netzwerk genügend positive Resonanz dafür finden, die für die gesunde Entwicklung in der Kultur gerade wichtig und möglich sind. Sie gehen samt all ihrer Fähigkeiten mit der Leitidee / Attraktiva in Resonanz, wollen Verantwortung für ein Projekt übernehmen und finden im Netzwerk genügend MitgestalterInnen. Es ist eine Selbstorganisation bottom-up in Resonanz auf eine übergeordnete Attraktiva /Leitidee. Diese hat offenbar eine intentionale Top-down-Wirkung. Durch eine Vielzahl der NetzwerkpartnerInnen wird die Chance und Wahrscheinlichkeit größer, dass immer neue Passungen in Bezug auf die kulturelle Salutogenese sich entfalten. Die Organisationsform wäre optimal dem Ziel und den Inhalten der Salutogenese angepasst. Im reflektierenden Bewusstsein, dass jede Organisationsform nur einzelne Aspekte der gesamten komplexen Wirklichkeit in die Realität bringen kann, gibt es in diesem Netzwerk einen Kreis, eine Gruppe von Aktiven sowie eine Organisation der Finanzen. Für die weiteren Tätigkeiten gilt das Vertrauen in den Prozess und die Mitglieder des Netzwerkes. [1] entnommen von: https://ch.wetter.com/magazin/wood-wide-web-das-steckt-hinter-dem-geheimen-leben-der-baeume_aid_69df65cd5576fbfac6075e07.html am 04.07.2026 [2] Kant I (1787/2015) Kritik der reinen Vernunft. In: Die Drei Kritiken. Köln: Anaconda. Uexküll T v, Wesiack W (1996) Wissenschaftstheorie: ein bio-psycho-soziales Modell. In: Adler RH, Herrmann JM, Köhle K, Schonecke OW, Uexküll Tv, Wesiack W (Hrsg.) Uexküll – Psychosomatische Medizin. München: Urban & Schwarzenberg; S. 13-52. Göpel E (2005) Erkenntnistheoretische Grundlagen der Gesundheitsförderung. In: Prävention. Zeitschrift für Gesundheitsförderung; 28.Jg. H.1: S. 3-8 [3] Attraktionsprinzip ist das Prinzip der Emergenz oder der Schöpfung, das besagt, dass sich Energie wie Masse in Richtung von Attraktoren/ Attraktiva bewegt. Das geschieht durchaus auf chaotischen, nicht exakt berechenbaren Wegen – hin zu neuen dynamischen Ordnungszuständen wie Strukturen. [4] Petzold TD (2022) Schöpferisch kommunizieren – Aufbruch in eine neue Dimension des Denkens. Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung; 2. überarb. Aufl. Petzold TD (2024) Kokreativ gesund entwickeln. Salutogenese als radikal integratives Gesundheitskonzept. Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung.
Deutsches Diagramm von Bewusstsein und Zeit: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft mit einem blauen Pfeil und beschrifteten Ebenen
von Dr. med. T.D. Petzold 25. Juli 2025
Angesichts sich überschlagender Krisenereignisse in der Welt, scheint es angebracht, einmal zu versuchen, diese in einem größeren historischen Rahmen zu reflektieren. Womöglich ergibt sich aus einer etwas distanzierteren reflexiven Sicht mehr Klarheit über die größeren Zusammenhänge und auch darüber, wohin die Entwicklung im positiven Fall gehen kann. Grob zusammengefasst ist die hier vertretene These: Die kulturelle (R-)Evolution im 20. Jhdt. (insbesondere der 2. Hälfte, hier als „Wendezeit“) bezeichnet) ging in Richtung einer humanistisch geistig geprägten Ära, die häufig Informationszeitalter genannt wurde. Die Menschheit mit ihren Kulturen war auf dem Weg, sich in ein Zeitalter zu entwickeln, in dem der lebendige Geist das gute Leben zunehmend menschlich bestimmt. Diese (R)Evolution gefiel aber nicht allen. Insbesondere GewinnerInnen einer materialistisch ausgerichteten Denk- und Wirtschaftsweise agierten immer offener zur konter(r)evolutionären „Zeitenwende“. Im vorliegenden Beitrag, dem ersten Teil zu diesem Thema, geht es um die „Wendezeit“, wie ich sie erlebt habe und jetzt reflektiere. Im folgenden 2. Teil (voraussichtlich Ende August) geht es dann um die „Zeitenwende“, die die geistigen Entwicklungen der Menschheit versucht rückgängig zu machen. Im 3. Teil soll es dann um vorhandene zukunftsweisende Entwicklungen gehen. Ich lade Sie / Dich herzlich ein, bei dieser Meta-Reflexion mitzuwirken. Bitte schicken Sie mir Ihre / Du Deine Gedanken zu meinen Posts oder zu eigenem Erleben von Wendepunkten in der Wendezeit sowie auch zu Erfahrungen und Reflexionen zur Zeitenwende und zur Zukunftsperspektive. 1. Teil: „Wendezeit“ - Evolution der Menschlichkeit Gerade hat der Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig aus Innsbruck mir eine Präsentation geschickt zu den „Co-Benefits Klimahandeln“. Er macht deutlich, wie viel in den letzten 40 Jahren im Umweltschutz schon erreicht wurde, das sich auch positiv auf die Gesundheit wie auch die Kindersterblichkeit auswirkt. Diese positiven Veränderungen wurden nach dem 2. Weltkrieg immer sichtbarer. In Wissenschaften Einige LeserInnen erinnern sich womöglich noch an das Buch „Wendezeit“ von dem Physiker und Philosophen Fridjov Capra, das 1983 in Deutsch erschien. Es war ein Highlight des intellektuellen Zeitgeschehens aus der Mitte der 2. Hälfte des 20. Jhdt. Capra versuchte dabei, Physik und Spiritualität zu integrieren. Er führte neue Methoden zur Integration des Subjektes sowie der Komplexität in das wissenschaftliche Arbeiten aus. Beide Themen sind große Herausforderungen für viele WissenschaftlerInnen (s. Capra 1983; Petzold 1996, 2001, 2022, 2024 u. Blog-Beiträge vom 1.2.2024 (Komplexität und Sprache) und 4.3.2024 (Subjektivität und Objektivität). In verschiedensten oder sogar allen Wissenschaften gab es in dieser Wendezeit Ansätze für neues Denken und Forschen. Thomas S. Kuhn hatte 1962 mit seinem Buch zur Struktur wissenschaftlicher Revolutionen einen „Meilenstein zur Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie“ (Wikipedia) gesetzt. Mit diesem Buch wurde der Begriff Paradigmenwechsel popularisiert. Nach Kuhn verläuft die Evolution der Wissenschaften in Phasen, die an das dialektische Prinzip von Hegel, Marx und Engels erinnern. Starke Impulse für Paradigmenwechsel in vielen Wissenschaften kamen aus der Quantenphysik und theoretischen Physik, aus der auch Capra berichtete. Auch die Kybernetik, Informatik, Systemtheorie und später die Chaosforschung gaben wichtige Anstöße zu einem neuen Denken. Von dem Biologen v. Bertalanffy wurde die Systemtheorie formuliert, die das moderne Denken in allen Lebenswissenschaften sowie auch Therapie- und Beratungsmethoden stark prägt. Sowohl in theoretischen Sozial- und Geisteswissenschaften als auch in praxisbezogenen Gesundheitswissenschaften wie der Psychotherapie, der ganzheitlichen Medizin (Gesundheitstag 1980) bis hin zur Ottawa-Charta der WHO 1986 wurde „out oft he box“ gedacht und es wurden neue Perspektiven, Praktiken und Theorien diskutiert (z. B. auch Antonovskys Salutogenese).
von Dr. med. T. D. Petzold 24. Januar 2025
Wir Menschen lernen sprechen im vertrauten Kreise unserer Familie. Sprechen erweitert unsere Kommunikation zunächst mit unseren vertrauten und nächsten Mitmenschen. Sprechen, dazu gehört jede Form von Kommunizieren mit vereinbarten Zeichensystemen, ermöglicht uns eine differenzierte Kommunikation über Ziele, Wünsche und
Eine Gruppe von Menschen steht draußen und hört einem Mann zu, der spricht. Einige tragen Sonnenbrillen und helle Kleidung.
von Dr. med. T. D. Petzold 2. Dezember 2024
Am 15.8.2024 wollte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil das „Geheimnis von Heckenbeck“ erkunden und lösen. Heckenbeck ist ein Dorf, ein Ortsteil von Bad Gandersheim, das schon mehrfach Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: u.a. durch Preise bei Landeswettbewerben „Unser Dorf hat Zukunft“ sowie durch NDR-Fernsehfilme von Christian Pietscher „Dorf macht glücklich“ und „Lust auf Dorf“ (2016). Das Dorfleben in Heckenbeck floriert seit vielen Jahren mit traditionellen Vereinen und besonders mit vielen neuen „alternativen“, meist von Kooperationen gegründeten und betriebenen Projekten wie einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis, einer Hebammenpraxis, einer Freien Schule mit Kindergarten, der „Weltbühne“ (ein soziokulturelles Zentrum des „KuK e.V. Kommunikation und Kultur“), einem Meditationshaus, einer Solidarischen Landwirtschaft mit Gemüseanbau, einem Mitglieder-Bioladen, mehreren Handwerksbetrieben … Die Einwohnerzahl ist in den letzten 40 Jahren um 25% gestiegen, während sie in den meisten anderen Dörfern Südniedersachsens um etwa 20% zurückging. Was ist anders – gibt es ein „Geheimnis von Heckenbeck“? In Heckenbeck leben viele Menschen weitgehend selbstbestimmt. Sie kommunizieren kokreativ und kooperativ. Es gab einen intensiven Kommunikationsprozess, der immer noch anhält. Natürlich auch immer wieder mit schmerzhaften Erlebnissen. Als ich dem MP vor dem „Brennesselhof“, auf den ich 1984 gezogen war, in fünf Minuten die Geschichte des gemeinschaftlichen Lebens in Heckenbeck erklären sollte, habe ich von unserem kooperativen und gegenseitigen Helfen mit den Landwirten vor 40 Jahren berichtet und von der kokreativen Zusammenarbeit der neu dazu gezogenen. Und von der Entfaltung der Kommunikation im Gemeinschaftsleben, unter anderem durch die Kabarettistin Elisabeth Möller, die Erfahrungen im Theater der Befreiung von Augosto Boal und anderem hatte. Durch Loslassen und Zurückhaltung der therapeutischen Rolle und einem Kultivieren des Ausdrucks der eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche, Anliegen und Visionen konnten wir eine vertrauensvolle Nähe herstellen. – Für weitere Einzelheiten blieb bei der Dorfführung mit dem MP keine Zeit. Aber hier kann ich Weiteres berichten. Verschiedene Menschen haben verschiedene Methoden zu kommunizieren in das alternative Dorfleben in Heckenbeck eingebracht: die Forumsarbeit aus dem ZEGG, den Redestab-Kreis aus indigenen Traditionen, Visionssuche, Gewaltfreie Kommunikation GfK, Co-Counceln aus der amerikanischen Selbsthilfebewegung … Dann habe ich den Verlauf der erfolgreichen lösenden Gespräche wie z. B. in unserer Hofgruppe reflektiert und daraus eine Methode formuliert, aus der später auf unserem Salutogenese-Symposium unter dem Einfluss weiterer „Techniken“, wie der OpenSpace-Technology der „Kokreative Raum KoRa“ wurde[1]. „ko-ko-ko“ macht glücklich Die Mischung aus einer vertrauensvollen kooperativ zupackenden Haltung (typisch männlich?) und einer offenen, mitfühlenden und sich mitteilenden Kommunikation (typisch weiblich?)[2] hat womöglich die Kokreativität zur Entfaltung gebracht und „glücklich“ und zufrieden gemacht. Für alle Beteiligten war dabei Geld verdienen, persönlichen materiellen Gewinn machen, nicht das oberste Ziel des Arbeitens wie Kooperierens. Allerdings hatte es seinen wichtigen Stellenwert, wie in der heutigen Realität erforderlich, aber dennoch nachrangig. An erster Stelle stand ein gutes Leben, ein erfülltes, sinnvolles Leben zu führen – gemeinsam und in und mit der Natur: der umgebenden wie auch unserer eigenen inneren. Das erscheint als artegerechtes Leben: kokreativ kooperativ kommunizieren kokoko. Das zeigen inzwischen viele Forschungen[3]). Das „Geheimnis von Heckenbeck“, das gemeinschaftliche Leben in und mit der Natur, ist im Kern womöglich ganz einfach die naturgegebene Art des Menschen, gut zu leben.
von Anne Lohmann 27. Mai 2024
Anknüpfend an den Beitrag vom 21. März ist die Frage im Raum, wie wir, uns bei einem Angriffskrieg verhalten wollen. Es geht nicht darum, Partei für Putin oder die USA zu ergreifen. Es geht um unser eigenes Wohl. Wie haben wir und unsere Nachkommen nachhaltig ein gutes Leben mit Leib und Seele? Dazu brauchen wir einen
von Dr. med. T. D. petzold 29. April 2024
Die Frage nach einer Selbstbestimmung taucht in Gesundheitsfragen eigentlich nur auf, wenn es keine freiwillige Übereinstimmung zwischen Patient und Behandler gibt. Normalerweise ist die Kooperation zwischen diesen PartnerInnen so stimmig und vertrauensvoll, dass die Selbstbestimmung und Autonomie des Patienten eine..
von Dr. med.T. D. Petzold 21. März 2024
Sollen Kinder lernen, Frieden zu stiften oder Krieg zu erdulden? Die Kriegsvorbereitungen durch die Bundesregierung werden immer offener und umfassender. Mit der „Zeitenwende“ zurück zu einem hochgerüsteten kriegerischen Deutschland und der Einstimmung auf einen möglichen Krieg gegen Russland (und/oder…
von Dr. med. T.D. Petzold 4. März 2024
Wie können wir unser lebendiges Subjekt angemessen in der Sprache kultivieren? In einer subjekt-entleerten naturwissenschaftlich technischen Sprache geht es angeblich nur um eine ‚objektive‘ Beschreibung von ‚Fakten‘. Für das Funktionieren der Technik sind diese Fakten maßgeblich. Wo aber bleibt dabei der Mensch...
von Dr. med. T.D. Petzold 1. Februar 2024
Wie können wir Verbundenheit mit der Sprache verwirklichen? In den letzten Beiträgen habe ich immer wieder Trennendes in der Sprache beschrieben. Jetzt möchte ich einmal beim Verbindenden bleiben. Dazu gehe ich einer These nach: Alle Menschen sind miteinander in der Biosphäre verbunden...
von Dr. med. T. D. Petzold 5. Januar 2024
Alle Menschen, die ich kenne, sagen, dass sie Frieden wollen. Wie kommt es, dass trotzdem immer wieder Krieg geführt und dafür gerüstet wird? Und warum rechtfertigen so viele Menschen den Krieg dann irgendwie und machen ihn mit? Sind das Folgen von Hirnwäsche? Wie können wir eine friedvolle Sprache kultivieren?