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Veranstaltungen:

23. Mai 2016

B I - Basisausbildung SalKom®

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05. Jun 2016

Woche zur gesunden Entwicklung (WogE)

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22. Jul 2016

Entwicklungs- und Supervisions-Seminar

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29. Aug 2016

Training der Selbstregulationsfähigkeit

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14. Okt 2016

Ärztliche Beratung als 'heilsame Erfahrung' - Einführung in Salutogene Kommunikation

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Weitere Veranstaltungen

Forschung

Eine Basis medizinischer Forschung ist die Evidenz, das heißt: die auf Erfahrung und Einsicht beruhende einleuchtende Offenkundigkeit von therapeutischen Interventionen. Diese beginnt mit der Beobachtung von einzelnen Genesungsverläufen (Fallanalysen und -beschreibungen) und ihre plausible Kontextualisierung durch eine Theorie. Sie gewinnt zunehmend an breiterer Gültigkeit durch Wiederholung auch durch andere Beobachter sowie durch unterschiedliche Studiendesigns, wie z.B. die randomisierte Doppelblindstudie in der pharmakologischen Forschung sowie randomisierte prospektive Interventionsstudien mit Erfassung mehrerer möglicher Einflussfaktoren und multivariater Auswertung bei vielen anderen Interventionen, bei denen eine Verblindung nicht sinnvoll ist.

In den Vorstudien haben wir oft überraschende Erfolge von ‚salutogener Kommunikation’ gesehen: PatientInnen haben wieder Eigenaktivität für ihre gesunde Entwicklung entfaltet und Fähigkeiten entwickelt, immer wieder Wohlbefinden herzustellen.

Die wissenschaftliche Untersuchung von Wirksamkeit und Funktion der salutogenen Kommunikation in unterschiedlichen Settings ist uns ein Anliegen. Sollten Sie auf der Suche nach einem für Sie passenden Dissertationsthema sein, können Sie sich gerne bei uns melden. Folgende Forschungsprojekte sind bereits konzipiert:

I) Förderung von sozialen Ressourcen durch eine salutogene Kommunikation im Gruppenprozess. Eine Evaluationsstudie.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Evaluation des neu entwickelten „Training der gesunden Selbstregulationsfähigkeit - rundum stimmig und gesund“ (TSF), eines Trainings im Gruppensetting, das die Salutogene Kommunikation als Grundlage hat.

Das Ziel des Trainings ist es, die Kommunikationsfähigkeit der eigenen Bedürfnisse und Anliegen zu verbessern und damit Stresssituationen erfolgreicher zu meistern. Das Besondere ist dabei der Fokus der kommunikativen Kompetenz in einem ganzheitlichen Ansatz. Die gesunde Selbstregulation von wahrnehmen, handeln, und bilanzieren dreht sich um attraktive motivierende Gesundheitsziele (sog. “Attraktoren”) wie Bedürfnisse und Sinn. In dem Training werden die Phasen der gesunden Selbstregulation schrittweise angeregt:

1. Wahrnehmen der eigenen “attraktiven Ziele” und der empfundenen Unstimmigkeiten (Probleme) – Wahrnehmen der Bedeutsamkeit.
2. Handlungsfähigkeit – Fähigkeiten und andere Ressourcen.
3. Bilanzieren – reflektieren der eigenen Aktivitäten und der Wechselwirkung mit der Umgebung führen zu Verstehen und Lernen.

Das TSF findet in acht Gruppensitzungen (á 120 min) statt. In jeder Sitzung wird eine Fähigkeit angeregt, die zur gesunden Entwicklung und Selbstregulation beiträgt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, das Training durchzuführen: einmal im wöchentlichen Rhythmus á 2 Stunden oder als Kompaktmodul an 4 Tagen á 2 Sitzungen. Folgende Fähigkeiten werden dabei angeregt:

  1. Innehalten und sich besinnen auf das, was einem wirklich wichtig ist
  2. Stimmigkeit wahrnehmen und vertrauen können
  3. Bedeutsame Unterschiede wahrnehmen
  4. Wunschlösung finden und zum Gestalten kommen
  5. Ressourcen erschließen und Fähigkeiten entfalten
  6. Annehmen und den größeren Sinn verstehen
  7. Die richtige Bilanz ziehen – aus Scheitern lernen können
  8. Aus den gemachten Erfahrungen das Wichtigste lernen

Quantitativ soll in dieser Untersuchung erschlossen werden, inwiefern eine Abnahme der erlebten Beschwerden und eine Steigerung der subjektiv erlebten Lebensqualität – als messbare Indikatoren der Steigerung des Kohärenzgefühls – sowie eine Erhöhung sozialer Ressourcen nach dem TSF erkennbar ist und ob ein Zusammenhang zwischen beiden besteht. Erwartet wird, dass eine Stärkung der persönlichen Ressourcen zur Stärkung der sozialen Ressourcen führt, da eine stimmige und aktive Gestaltung der sozialen Umwelt angeregt wird.

Qualitativ sollen die Wirkmechanismen analysiert werden, die das Vertrauen untereinander im direkten sozialen Umfeld stärken und somit zu einer erhöhten Kooperation beitragen. 

II) Salutogene Kommunikation - Auswirkung salutogener Therapiegespräche auf die gesunde Entwicklung von Krebspatienten.

Die ‚Salutogene Kommunikation‘ im therapeutischen Prozess ist eine integrierende Weiterentwicklung des Autonomietrainings nach Grossarth-Maticek, der Gesprächsführung nach LeShan sowie tiefenpsychologischer und systemischer Therapien durch den Allgemeinmediziner Th. D. Petzold. Sie ist eine dialogische Gesprächsführung, die die attraktiven Gesundheitsziele des Patienten fokussiert und die Ressourcen zum Erreichen der Ziele erschließt und stärkt.

In diesem Forschungsvorhaben sollen mögliche Wirkungen der Gespräche auf den Gesundheits-/Krankheitsverlauf von (multimorbiden) onkologischen Patienten in einer Rehabilitationsmaßnahme quantitativ evaluiert werden.

Durch salutogen intervenierende Gespräche mit (multimorbiden) onkologischen Erkrankten wird eine Umkehr des progredienten Krankheitsverlaufs in einen Gesundungsprozess oder Abschwächung der Progredienz und/oder Verbesserung der Lebensqualität bei ca. 30% der Patienten erwartet (vgl. LeShan 2011; Grossarth-Maticek 1999, 2008; vgl. auch Petzold/Lehmann 2008).

Ziel der Arbeit soll die Etablierung einer Salutogenen Kommunikation in der Arzt-Patienten-Beziehung sein, die die Gesunde Selbstregulation und die Eigenaktivität der Patienten nachhaltig anregt und somit zu einer positiven gesunden Entwicklung führt.

Die Methode der Salutogenen Kommunikation kann/sollte dann auch an praktizierende ÄrztInnen als Fortbildungsangebot und im Rahmen des Medizinstudiums weitergegeben werden, um somit positivere Behandlungserfolge zu erzielen.