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Veranstaltungen:

05. Jun 2016

Woche zur gesunden Entwicklung (WogE)

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15. Jun 2016

Einladung zu Vortrag und Gespräch: Stress, gesunde Selbstregulation und die ‚Kunst des Stehaufmännchens‘

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22. Jul 2016

Entwicklungs- und Supervisions-Seminar

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29. Aug 2016

Training der Selbstregulationsfähigkeit

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14. Okt 2016

Ärztliche Beratung als 'heilsame Erfahrung' - Einführung in Salutogene Kommunikation

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Weitere Veranstaltungen

Abstracts 2013

Abstracts 8. Symposium des Zentrums für Salutogenese

Die Abstracts der ReferentInnen sind alphabetisch nach deren Nachnamen geordnet.


Jedes Berühren geschieht bewusstseins-zustands-spezifisch

Wilfried Belschner

Ich möchte im Vortrag die Frage behandeln: Wenn ich als professionell tätiger Mensch jemanden „berühre“, aus welcher inneren Gestimmtheit heraus geschieht dies? An Hand eines bewusstseinspsychologischen Modells, des „Modells der Differenzierung von Zuständen des Wachbewusstseins“ werden drei Gestimmtheiten unterschieden: (1) Alltags-Trance, (2) Empathie, (3) Reine Bewusstseinsqualitäten. Einige empirische Studien werden die Nützlichkeit des Modells belegen. Sie werden auch dazu anregen, die Vorteile zu erkennen, die damit verbunden sind, in der eigenen Lebenspraxis oder in der professionellen Handlungspraxis kompetent dafür zu werden, die Alltags-Trance überschreiten zu können. Es wird dann nämlich möglich, in einem erweiterten Bewusstseinsraum sich darauf einlassen zu können, welche Geschichte uns das Leben erzählen will.

Wilfried Belschner, Dipl.-Psych., Dr. phil., Univ.-Prof. (em.) für Psychologie an der Univ. Oldenburg. Forschungsschwerpunkte: Psychologie des Bewusstseins, Gesundheits- und Klinische Psychologie. Entdeckte für sich die Vision, Psychologie und Meditation als Erkundung des individuell erfahrbaren Bewusstseins in seinen kulturellen Gestaltungen zu begreifen, als Psychologie des Bewusstseins zu erforschen und als Transzendenz-Training zu vermitteln. 1. Vors. des DKTP. Wiss. Leiter des Kontaktstudiums Qigong.
Email: wilfried.belschner(at)uni-oldenburg.de
Homepage: www.psychologie.uni-oldenburg.de/21615.html

 

Sensorische Integrationsbehandlung nach Brust-OP – „Lässt sich was taub wurde trotzdem erfühlen?“

Ulrike Blum

In meinem Vortrag geht es um die Auswirkung von Brust-OPs nach Krebs auf  die Körperwahrnehmung der betroffenen Frauen. (Brust-OPs:  von Ablatio bis zum Wiederaufbau mit Fremd- und Eigen-Gewebe). Durch Verletzung der sensiblen Nerven gibt es immer Ausfälle in der Sensibilität der Haut und des Gewebes, mehr oder weniger stark ausgeprägt und ausgebreitet: Taubheit, Mißempfinden, Überempfindlichkeit, fehlende Tiefensensibilität,…)

Das individuell erlebte „heimliche Leid“ bleibt oft im Privaten, wird in der Regel nicht zum Thema gemacht (bei Betroffenen, Ärzten, Therapeuten), ist nicht Gegenstand der Aufklärung vor einer OP , sorgt in der Folge unnötigerweise zu Selbstzweifeln der Betroffenen und könnte durch frühzeitige körpertherapeutische Intervention und Aufklärung in eine Selbstregulation gelenkt werden.

1. Fallbeispiel Fr.N. Eine Patientin schildert ihr Leid mit der Taubheit aber “Da kann man leider nichts machen!“und ich mache schließlich eine erstaunliche Entdeckung: “Zauberhände“ bringen Gefühl zurück.

2. Die Probleme durch Sens-Verlust scheinen in der Akutphase (nach OP)ein allgemeingültiges Muster zu haben.(Beschreibung der Problemfelder)
-Angst / Vermeidung vorm Hinschauen (Spiegelblick) sich anschauen lassen
-Eigenberührung ist befremdlich- unangenehm bis eklig -
-Angst / Vermeidung vor Fremdberührung
-Störung des bisherigen Körperbild, Körperschema, Stimmung und Selbstwert
-Fremdheitsgefühl im Körper bis hin zu Traumatisierungserleben der Persönlichkeit

3. Je nach Strategie der Patientin
–selbstwirksamkeitsüberzeugt
-kompensierend
-vermeidend     
können sich die, in der Akutphase regelhaft auftretenden Probleme manifestieren und zu chronisch defizitärem Selbstbild werden.

4. Mein Behandlungsansatz und Techniken
1.-Vertrauen in die Berührung/meine Person herstellen (Halten, Ausstreichen, Ganzkörperentspannung)
2.-Befunderhebung für die Patientin mittels Berührung, was lässt sich wie fühlen und wie wird es empfunden? Die tauben Areale werden „sichtbar“. Finde die angenehmsten Reize (Streichen, vibrieren, kratzen, Öl)
3.-Mit der Auswahl angenehmster Reize „Wahrnehmungs-Brücken“ bauen: aus fühlendem durch taubes Gebiet streichen (bilateral überkreuz) (s. u. Hypothesen)
4.-Transfer des Erlebten und Selbstwirksamkeit (Alltagsbezug)

5. Zwei Wirkungsebene und zwei  Hypothesen
a.) Botschaft der Berührung an Körper und Seele: Tröstung, Vertrauen,sich schön, angenommen, heil, ganz, vollständig fühlen können. Ermutigung für die Berührbarkeit, Freude und eigene Schönheit im Körper finden, …..usw.

b.)Sensorischer Integration gestörter Gebiete durch „ Überschreiben“ alter Wahrnehmungsmuster (und Körperschema) mit neuer Wahrnehmungserfahrung.
Weil im Gehirn fehlende Informationen sinnhaft ersetzt werden können, lernt es in der Wahrnehmungsverarbeitung Berührung im tauben Gebiet zu erkennen. Gesetz der Geschlossenheit und Prägnanz.
Der Körper kann als Ganzheit und als Eigen /Vertraut erlebt werden.

Austausch /Fragen und / oder kurzes Wahrnehmungsexperiment mit Peeling-Handschuhen

 

Darf ich um Ihre Hand bitten?“
„Berührende“ Handeinreibung mit Ätherischen Ölen à Ein Workshop für Praktiker

Andrea Chuks

Intuitive Berührungen verbinden, nicht nur auf der taktilen, sondern auch auf der emotionalen Ebene. Berührungen sind eine menschliche Grunderfahrung und ein Grundbedürfnis. Intensiviert werden können diese Eindrücke noch in Verbindung mit dem olfaktorischen Sinn. Dieser Workshop möchte Ihnen einen kurzen Überblick über die kutanen Anwendungsmöglichkeiten von Ätherischen Ölen zeigen und Anregungen geben, wie man auf einfache Art und Weise Einreibungen in die praktische und  beratende Arbeit integrieren kann. Erleben Sie selbst, wie intensiv eine kurze Verbindung von Menschen, Berührungen und Ätherischen Ölen sein kann!

Andrea Chuks, Berlin
Krankenschwester
Gesundheitspraktikerin (BfG, DGAM) mit Themenschwerpunkt Aromakunde
Gründungsmitglied Aromakunde-Netzwerk
a.chuks(at)gmx.de
www.aromakunde-netzwerk.de

 

Erfahrungsraum Berührung und Begegnung       

Ulrike Fahlbusch

Jede alltägliche Begegnung - sei es im professionellen, öffentlichen oder privaten Rahmen - kann potentiell berührend, anrührend und heilsam sein. Die innere Haltung, die wir zu uns selbst und anderen Menschen einnehmen, ist dabei von entscheidender Bedeutung.

In einem angeleiteten Erfahrungsraum erforschen wir unterschiedliche Intentionen von Berührung. Anfassen, Berühren, sich berühren lassen, berührt werden, angerührt sein - in nonverbalen, bewegenden Dialogen wird das Thema direkt erfahrbar. Wie bewege ich mich auf Menschen zu? Wie erlebe ich Berührung durch andere Menschen? Was macht (m)eine Berührung für jemand anderes wohltuend und unterstützend?  Reflektion des Erlebten.

Ulrike Fahlbusch, lebt in Freiburg/Brsg. und ist seit 1988 als selbständige Seminarleiterin und Coach tätig. In langjähriger Praxiserfahrung entwickelte sie eine systemische Arbeitsweise zur Potentialentfaltung und Gesundheitsförderung auf der Basis von ganzheitlicher Bewegungspädagogik, positiver Kommunikation und Achtsamkeit. Inspiriert wurde die Arbeit u.a. durch Tanztherapie, Atemarbeit, New Dance und Kontaktimprovisation, Body Mind Centering, Movement Ritual, Feldenkrais, buddhistischem Theatertraining und Rhythmus. Sie schreibt Artikel über körperbewusste Kommunikation und Lebenskunst,  hat die CD Just Move veröffentlicht und ist engagiert im Bereich Gemeinschaftsbildung und nachhaltiger Lebenskultur.

Ulrike Fahlbusch
Praxis für systemisches KörperCoaching
Hirschenhofweg 4
79117 Freiburg
Telefon 0761/8978388
unter www.ulrike-fahlbusch.de

 

Der haptische Sinn - Einsichten und Möglichkeiten mit der Arbeit am Tonfeld®

Falk Fischer

Der haptische Sinn ist ein eigenständiger 6. Sinn, der einzige wirkliche „Struktur-Sinn“. Als solcher besitzt er eine zentrale Bedeutung in der Entwicklung seelischer Struktur bzw. im „Selbstwerdungsprozess“. Haptischer Sinn ist nicht der Tastsinn, eingeschränkt auf die Hände, sondern die Einheit von gestaltender, gerichteter, intentionaler Bewegung und Wahrnehmung. Das bewusste Hand-eln vollzieht sich, wie das Wort schon sagt, maßgeblich über die Hände. Und so sind die Hände das wichtigste Instrument zur Bewusstseinsentwicklung. Nicht von ungefähr gibt es die Haptik nur beim Menschen. Er ist das einzige Tier, das seine Vorderpfoten eigens zum gestalterischen Handeln (also nicht nur Futterzufuhr) freigestellt hat.

In der Art, wie die Hände greifen und sich die Welt selbstgestaltend anverwandeln, zeigt sich der ganze Mensch. Ein schüchterner Mensch ergreift die (gestaltbaren) Dinge der Welt völlig anders als ein Macho. Ändert sich das Greifschema, ändert sich der Mensch – und umgekehrt. So lässt sich über die Haptik der gesamte Selbstwerdungsprozess aufgreifen und (salutogen) wandeln.

Dies geschieht in der Arbeit am Tonfeld®. Das Tonfeld ist ein flacher Kasten, ausgestrichen mit Tonerde. Ton als Material repräsentiert in seiner universellen Gestaltbarkeit die ganze Welt. Er lässt jede spontane Bewegung zu und spiegelt sie wieder in die Wahrnehmung zurück. Da Spontanbewegungen nicht verursacht, sondern einzig als Ausdruck des Selbst zu verstehen sind, ist es möglich, über die Entwicklung der Haptik auch das Selbst-vertraut-werden zu fördern.

Im Workshop wird die Methode mit ihrer ganzen dahinterliegenden Grammatik der Selbstwerdung dargestellt und anhand eines kleinen Filmbeispiels der therapeutische Nutzen dokumentiert. Die Arbeit hat sich inzwischen als eine der direktesten und wirksamsten Methoden bei den Entwicklungsverzögerungen bzw. bei der Bewältigung von Lebenskrisen erwiesen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Arbeit in kleinstem Maßstab selbst auszuprobieren.

 

Geschichte der heilenden Berührung – How we lost our senses

Antonia von Fürstenberg

In Berühren steckt das Wort rühren. Was sich rührt, das regt sich, ist lebendig. Doch was sich rührt und regt, kann erregen- emotional und sexuell. Das macht Angst und die verhindert das Berühren und Sich- berühren- lassen.  Sinnesempfindungen werden unterdrückt, unsere so differenzierte Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit auf Schlüsselreize reduziert.

In der frühkindlichen Entwicklung ist Berührung in Form von Hautkontakt  lebensnotwendig. Sie schafft Bindung und gibt das Gefühl von Geborgenheit und Ganzheit. Berührung kann Schmerzen lindern und unterstützt Heilungsprozesse, wie jede weiß, die jemals ihr krankes Kind gepflegt hat. Jesus berührte den Aussätzigen, um ihn zu heilen. Leider wird in Deutschland körperliche Berührung durch die über Generationen unbewusst tradierte schwarze Pädagogik, die Berührung nur als Ritual oder als Züchtigung erlaubt und durch die libertäre Reformpädagogik, die Missbrauch als Freiheit deutet, mit Manipulation und Verletzung der Autonomie konnotiert. Berührung, wenn sie über das Händeschütteln und die Untersuchungsroutine hinausgeht, ist deshalb im medizinischen wie therapeutisch- pädagogischen Kontext ein Tabu. Doch die Unterdrückung und Verleugnung unserer Körperlichkeit schafft sexualisierte und gewaltsame Formen der Berührung. Das Tabu erzeugt also oftmals das Problem.

Doch zaghaft entwickelt sich im berührungsphobischen Deutschland eine Gegenbewegung. Es hat sich herumgesprochen, dass Gesundheit und Heilung durch körperliche Berührung befördert werden. In einigen Krankenhäusern, wie im Gertrauden Krankenhaus in Berlin, unterstützen speziell ausgebildete Pflegekräfte die Wundheilung durch therapeutisches Berühren.

 

Klangerfahrungen durch Klangschalen

Carla Heil

Jemanden berühren – sich berühren lassen – berührt sein …

Diese Erfahrungen sind hervorragend mit dem Einsatz von Klangschalen erfahrbar. Die Wirkung des Berührtwerdens ist sowohl bei indirektem wie direktem Kontakt mit den Klangschalen schnell ganzheitlich  spür- und erlebbar.

In einem WS lassen sich individuell  mit diesen Klang-Erfahrungen die gestellten Fragen beleuchten: Was bedeutet die Berührung durch Klang für Sie? Was hat das Gefühl mit Ihrer gesunden Entwicklung zu tun?  Und womöglich mit der Salutogenese von Menschen überhaupt?

Wo beginnt Berührung auf körperlicher, psychomentaler Ebene? Mit dem Impuls des Anschlagens der Schalen oder schon durch die Schwingungen der Schalen im Raum? Mit direktem oder indirektem körperlichen Kontakt? Mit dem Gefühl von berührt Sein? Wann fühlen wir uns ‚tief berührt‘? Wie entsteht bei Berührung Resonanz?  Beim Einsatz der Klangschalen tritt oft zügig eine harmonische Resonanz zwischen dem behandelten und dem klanggebenden Menschen sowie den eingesetzten Schalen auf, was hör- und fühlbar wird, aber auch den weiteren Umgang mit den Schalen prägt.

Viele Berührungen sind ritualisiert, kulturell geprägt. So kommt die Klangschalenarbeit ursprünglich aus dem asiatischen Raum. Aber in Entspannung/Trance versetzende rhythmisch gegebene Schwingungen gibt es auch in anderen Kulturkreisen wie in Afrika mit Trommeln oder bei Indianern bzw. den australischen Ureinwohnern.

Was schwingt dann in uns mit? Wann und wie kann das heilsam sein?

Diesem sanften, ganzheitlich wirkenden Klangerlebnis liegen die Schwingungen von gehörten und gefühlten Klängen zugrunde. Das umfassende Klangangebot durch vielfältige obertonreiche, harmonische und natürliche Klänge der angeschlagenen Schalen spricht das ursprüngliche Vertrauen des Menschen an und öffnet damit das Tor zur Harmonisierung der einzelnen Körperzellen mit positiver Auswirkung auf Körper, Geist und Seele.

Rasch wird der bekleidete Körper durch unterschiedliche Klangschalen in tiefe Entspannung geführt. In der Klang-Entspannung lösen sich im Alltagsstress angesammelte Sorgen, Blockaden und Verspannungen. Der Behandelte und sein Körper kommen allmählich wieder in Ein-Klang, in Harmonie, so dass das Selbstbewusstsein, die Kreativität und die Lebensfreude positiv und nachhaltig beeinflusst werden.

Peter Hess  passt diese fernöstliche Klangkunst seit den 1980iger Jahren auf die Bedürfnisse der westlichen Menschen an. Bitte vorher viel Flüssigkeit trinken.

Dr. med, Carla Heil, MPH
Ärztin f. physikal. und rehabilitative Medizin, Gesundheitswissenschaftlerin
psychosomat. Grundversorgung
Tel.: 05424/8538   Fax: 05424-225977
E-Mail: dr.heil(at)osnanet.de

 

Blick, Sprache, Berührung
Heilung anregen in Systemaufstellungen

Thomas Heucke

Blindes und/oder abwertendes Ausgrenzen stört das Fließgleichgewicht menschlicher Beziehungen und erzeugt Leiden.

Das harmonische Zusammenwirken der Lebenskräfte „Schöpfung“, „Trennung“ und „Wandlung“ lässt sich in Familien- und Systemaufstellungen fördern.

Auf dem Hintergrund einer einführenden Übersicht sollen die Teilnehmer in einen Erlebensraum der Geborgenheit eingeladen werden, um zu erfahren, wie Hinschauen, gesprochene und gehörte Worte sowie leibliche („ganzheitliche“) Berührung bewusste Begegnung mit Familienangehörigen, anderen Mitmenschen und sich selbst ermöglichen und Heilung anregen.

Dr. med. Thomas Heucke                                                
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Tiefenpsychologisch fundierte, systemisch orientierte Psychotherapie
Beratung für Erwachsene und Paare
Coaching und Supervision
Familien- und Systemaufstellungen (IAG - DGfS)
Praktizierender Reiki-Lehrer (RAD)
ThH – Zum Ziegenbusch 18 - 53545 Linz/Rhein

 

Berührung der Tabus (kulturell-gesellschaftlich) und ihrer Folgen

Hans Peter Hiss

Berührung ist ein weites Feld – um mit Fontane zu sprechen!

Ohne Berührung keimt, lebt und wächst nichts.
Auf den Menschen und seine Anfänge bezogen wissen wir – seit Friedrich II. aus dem so genannten „finsteren Mittelalter“ durch sein Experiment mit Neugeborenen – welche Wirkungen das Fehlen elementarer „Lebens-Mittel“ – über Kohlenhydrate, Proteine etc. und die hygienische Pflege hinaus – für menschliches Leben hat.

In der Heiler- und vor allem Mediziner-Branche werden Menschen immer seltener und auch überhaupt nicht körperlich untersucht – also nicht physisch berührt – selbst die verbale Berührung wird auf Sparflamme gehalten: „psychosomatisch“ ist ja gerade noch entsprechend dosiert erlaubt, „sozio-somatisch“ ist schon reinstes chinesisch und wird sowohl von den Somatikern wie den Psychos als Zumutung empfunden, anstatt sich auf die Herausforderungen not-wendiger Tabubrüche einzulassen.

Das enorme Bedürfnis nach Kontakt und Gemeinschaft in Verbindung mit den diesbezüglich bestehenden kulturell-gesellschaftlichen Defiziten und der Angst davor, sich berühren zu lassen und zu berühren, ist für mich offensichtlich und ist auch nicht auf das vordergründig Individuelle oder Private beschränkt.
Wenn nämlich das nicht Berührte im biologischen Bereich zu Verkümmerung, Siechtum und Tod führt, gilt dies für mich auch für die kulturellen und gesellschaftlichen Unberührbarkeiten – die Tabus in der heutigen Welt.

Es wird also um die Berührung der Tabus gehen müssen, die dem viel strapazierten Paradigmenwechsel im Wege stehen – in sehr vielen kulturell-gesellschaftlichen Bereichen.

Ein Beispiel für einen offenbaren, aber sehr frag-würdigen Widerspruch: So viele Menschen in unserer Industrie-Zivilisation setzen auffällige Signale durch Kleidung, Frisur, Bemalung etc., wenn sie sich außer Hause zeigen, wenden den Blick aber reflexartig ab, wenn sie wahrgenommen werden; falls sie andere Menschen überhaupt wahrnehmen, bewegen sie sich unnah- und unberührbar im menschlichen Multiversum.
Heutige Beziehungslosigkeit: Aus Gleichgültigkeit oder Überforderung – und wenn, welcher Art wohl?

Das hier Gestreifte möchte ich mit Ihnen teilen, Ihnen mitteilen und mit Ihnen diskutieren.

 

„Sei wie ein Becken, nicht wie ein Kanal…“ (B. v. Clairvaux) – Mit Eutonie und Klangtherapie „in Berührung“ kommen

Monika Kern

„… Das Becken gibt weiter, wovon es überfließt, ohne selbst etwas einzubüßen.“

Mit sich in Berührung zu sein ist der Boden eines sicheren Standes in der Welt. Körperliche und seelische Kräfte entfalten sich, die Kontaktaufnahme nach außen gestaltet sich stimmig, der Mensch ist mit seinem Tun und Sein „im Fluss“.

Hier knüpft die Methode der Eutonie-Gerda-Alexander an, eine Körperarbeit, die achtsam-meditative mit spielerisch-kreativen Elementen von Berührung vereint, um leibhaftig bei sich anzukommen, den eigenen Körper als ureigenes Zuhause zu erobern. So finden wir mit Leib und Seele in eine uns jetzt gemäße „gute Stimmung“ (= Eu-tonie) und werden schwingungsfähig  – sowohl als Einzelne wie als Gruppe. Der natürlich und anstrengungslos entstandene Resonanzraum wird klangtherapeutisch hör-, fühl- und erfahrbar.

Monika Kern,  Jg. 1971, 1998-2007 als Lehrerin und Schulpsychologin in Schuldienst, Lehrerbildung und Beratungsarbeit;  Logotherapeutin und systemische Supervisorin; Studium der Musiktherapie (MA) und Ausbildung zur Eutoniepädagogin Gerda Alexander; seit 2009 Arbeit als Musik- und Körpertherapeutin am Klinikum Würzburg, Klinikum Landsberg sowie freiberuflich; Schwerpunkt: ressourcen- und leiborientierte Begleitung von verunfallten, onkologisch erkrankten und chronisch schmerzkranken Menschen sowie Menschen in Krisen.

 

Berührung und Berührt-Sein im Gespräch

 „Gelassen Kommunizieren“ - eine Synthese aus Gewaltfreier Kommunikation® und Meridianklopfen nach dem ROMPC®

Bärbel Klein und Andrea Raith

Was trägt in einem Gespräch dazu bei, über körperlich spürbare Berührtheit  eine heilsame Beziehung zu erleben?

Gewaltfreie Kommunikation® lehrt uns eine Bewusstheit in der Sprache, die über die Fokussierung auf Gefühle und Bedürfnisse zu Resonanz und Verbindung führt. Gewohnheitsmäßige und automatisierte Reaktionen wie „verurteilen“, „bewerten“, Flucht- oder Angriffsmuster werden übersetzt,  so dass Menschen mit sich selbst  und anderen in Verbindung kommen.

Die Rituale und Entkoppelungstechniken (Meridianklopfen) des ROMPC®, die über Körperberührung wirken, dienen dazu, Stress zu reduzieren, sich mit sich selbst zu versöhnen und dem Leben mit Neugier und Gelassenheit zu begegnen. 

Beide „Methoden“ ergänzen sich in ihren Wirkungen und geben Raum für die Bewältigung schmerzhafter Erfahrungen. Das Erleben tiefer Berührtheit führt  zu heilsamen Beziehungserfahrungen.

In diesem Workshop erwartet Sie eine anregende Mischung aus Übungen und Theorie. Sie erleben, wie in der Kommunikation heilsame Berührung und Beziehung entstehen.

Andrea Raith
Dipl. Supervisorin,
Dipl. Sozialpädagogin,
HP Psychotherapie,
ROMPC®- Therapeutin und –Ausbilderin
www.andrearaith.de

Bärbel Klein
Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation®, CNVC-zert.
Mediatorin, Coach, ROMPC®-Coach und -Beraterin
Krankenschwester für Psychosomatik und Psychotherapie
www.effektivundgelassen.de

 

Wie eine Schule von Fischen. - Dialogische Dimension der manuellen Praxis.

Attila Kosa

Die Innovationskraft des Salutogenese-Modells für die Entwicklung der modernen Gesundheitswissenschaft sowie für systemische Ansätze der Arzt-Patienten-Kommunikation stehen heute außer Streit. Zugleich stellt die sozial- und präventiv medizinische Ausrichtung der Salutogenese bei genauerer Betrachtung auch ihr Handicap dar, da ihr im Kern ein äquivalentes physiologisches Konzept fehlt.

Aus transdisziplinärer Sicht liegen jedoch in zahlreichen benachbarten Therapiefeldern der Psycho- und Physiotherapie bemerkenswert kongruente und anschlussfähige Konzepte vor, die diese Lücke des Salutogenese-Modells, vorerst zumindest theoretisch, füllen könnten. Gemeinsam ist diesen auf Kohärenz & Selbstermächtigung abzielenden Therapiekonzepten ein prozessuales, kommunikatives bzw. dialogisches Verständnis von Individuation, Organismus und Gesundheit.

Manuelle Therapien sind im präventiven wie rehabilitativen Kontext des Gesundheitswesens historisch verankert und sprechen in qualifizierter Form seit je her salutogene Potenziale der Patienten an. Dennoch repräsentieren manuelle Therapieformen oder die therapeutische Massage, bei aller genealogischen Ausdifferenzierung und Professionalität der Ausbildung, in der Praxis leider immer noch "stumme", d.h. implizite Methodologien, die in ihren systemischen Erklärungsansätzen zuletzt meist auf vage Begriffe des "Körperwissens", der "Energetik", "Empathie", etc. zurückgreifen. Prof. Robert Schleip[1], einer der Vorreiter der aktuellen myofaszialen Grundlagenforschung bezeichnet den diskreten Dialog der Therapeutenhände mit organischen Gewebe- oder Körperstrukturen pointiert als subkutane Kommunikation "mit einer Schule von Fischen".

Unter Rückgriff auf die neueren Erkenntnisse der physiologischen bzw. neurobiologischen Grundlagenforschung, versucht mein Vortrag eine Zusammenschau relevanter Ansätze informationeller Leibkonzept-Theorien, wie z.B. der Integrativen Körpertheorie nach Hilarion Petzold, um die Wirkungsweise der therapeutischen Kommunikation in der manuellen Praxis zu erhellen. Damit soll körperorientierte therapeutische Kommunikation als dichotome intraphysische sowie introspektive Realitäten in der Patienten-Erfahrung beschreibbar werden, die durch den/die PrakterIn mediatorisch verbunden werden. Als Einstiegs- und Referenzpunkt dieser Erörterungen wird das MIT Dialogmodell nach William Isaacs herangezogen, das prototypische Leitkriterien des intersubjektivierten Dialogs im geteilten Erfahrungsraum einer "Behandlung" bietet.

Attila Kosa, (geb. 1957), Wien. Studium der Tanzpädagogik, Kunst- und Kulturwissenschaft.  Postgraduale Weiterbildung in Wissensmanagement und Informationswissenschaft.  Selbständigkeit im Bereich Forschungsmittlung und Kommunikations-Beratung. Nebenberufliche Tätigkeit als Shiatsu-Praktiker und Mitherausgeber der Österreichischen Zeitschrift für Ganzheitsmedizin.

 

„Be-hand-lung“: Manuelle Medizin als Therapie an der Schnittstelle von Körper und Psyche

Anette Kreutzfeldt

Die Manuelle Medizin als eine berührungsintensive Behandlungsform ist die Diagnostik und Therapie gestörter Funktionen des Bewegungssystems, d. h. von Muskeln, Sehnen und Gelenken einschließlich ihrer Steuerung (Sensomotorik) und davon ausgehender Beschwerden, v. a. akuter und chronischer Schmerzen. Die Besonderheit der Manuellen Medizin ist die Erfassung von Phänomenen (v. a. Spannungsphänomenen) mit der Hand (manuell), die anderen diagnostischen Verfahren, auch den modernsten bildgebenden Verfahren, nicht zugänglich sind. Spannung kann man nicht sehen, sondern nur tasten.

Verspannungen oder segmentale Funktionsstörungen („Blockierungen“) entstehen durch akute oder chronische Überlastung und gehören zum Leben wie ein gelegentlicher Schnupfen. Erst eine Weiterleitung der Schmerzwahrnehmung (Nozizeption) zum Gehirn lässt uns Schmerz empfinden. Eine intakte Schmerzhemmung begrenzt und beendet den Schmerz, wenn seine Ursache verschwunden ist. Besteht die Funktionsstörung jedoch weiter (periphere Sensibilisierung mit Herabsetzung der Schmerzschwelle der Nozizeptoren), so kann es zum Zusammenbruch der Schmerzhemmung und zur Chronifizierung (zentrale Sensibilisierung, „Schmerzgedächtnis“) kommen. Ob es zu einer Chronifizierung kommt, hängt von vielfältigen, vor allem psychosozialen Faktoren ab (Angst, Stress, fehlende Bindung, soziale Unsicherheit und vieles mehr).

Durch Manuelle Medizin  (Be-hand-lung) kann die periphere Sensibilisierung rückgängig gemacht und die segmentale Balance wieder hergestellt werden. Gleichzeitig wird durch jede gezielte Aktivierung der Wahrnehmungsrezeptoren (Propriozeptoren) in der Peripherie durch die berührende Hand des Therapeuten auch ein Impuls an das zentrale Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) gesandt, der die zentrale Schmerzhemmung aktiviert und letztlich eine „Löschung“ des Schmerzgedächtnisses bewirken kann. „Jede Manuelle Therapie ist (auch) ein Eingriff in das Gehirn.“ Sie verändert die Informationsverarbeitung des sensomotorischen Systems, in übertragenem Sinne die „software“ des Systems „Mensch“, die das Bindeglied zwischen Körper (Struktur, „hardware“) und Psyche (Person) darstellt. Mit der Manuellen Medizin,  steht uns somit eine hochwirksame, nichtinvasive und nichtmedikamentöse Methode zur Behandlung von Schmerzen zur Verfügung, die die körpereigenen Regulationssysteme nicht stört, sondern wiederherstellt. Idealerweise sollte sie eingebunden sein in ein komplexes Konzept, das neben Physiotherapie und / oder Ergotherapie auch Stressmanagement sowie das Erlernen eines Entspannungsverfahrens umfasst, ggf. ergänzt durch Ernährungsaspekte und Psychotherapie.

In einem Impulsvortrag wird das Konzept der Manuellen Medizin mit dem ihr zugrundeliegenden „Körperbild“ vorgestellt.

Dr. Annette Kreutzfeldt, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Manuelle Medizin / Chirotherapie, Naturheilverfahren, Medizinisches Zentrum Geiststraße, Geiststr. 22, 06108 Halle

 

Berührbarkeit und Ernährung. Konzept der ganzheitlichen Ernährungslehre zur Förderung oder Verhinderung von Berührbarkeit durch Lebensmittel.

Inke Kruse

Jedes Lebensmittel wirkt in spezieller Weise auf Körper, den Geist und die Emotionen. Lebensmittel werden in der ganzheitlichen Ernährungstherapie nach ihrer speziellen Wirkung auf ein Organsystem und Wirkweise eingesetzt. Damit verbunden ist immer die emotionale Ebene, die diesem Organsystem entspricht. Beispielsweise wirkt das eine Lebensmittel auf die Leber, beruhigt, reduziert Reizbarkeit und Unruhe, das andere Lebensmittel wirkt auf die Lunge und kann emotional dämpfen.

Wirkungen von Lebensmittel sind zum Beispiel:

·        das Fühlen fördern oder sedieren bis hin zur Depression

·        emotionale Öffnung fördern

·        dünnhäutiger machen

·        emotionale Stabilität / innere Ausgeglichenheit stärken

·        innere Unruhe oder Hyperaktivität fördern

·        innere Klarheit fördern

·        entspannen

·        Trauer bewegen

Mit der Ernährungsumstellung setzt auch die Wirkung der Speisen auf das Fühlen ein. Vor diesem Hintergrund sind die eigene Lebensmittelauswahl und die eigenen Gelüste kein Zufall sondern verständlich und zweckmäßig. Wenn die innere Zustimmung des Klienten zu dem veränderten Fühlen fehlt, kann oft seine Rückkehr zur gewohnten Ernährung beobachtet werden. Damit werden unbewusst die emotionalen Veränderungen vermieden. Im bewussten Umgang mit der Wirkung der Lebensmittel liegt die Chance, Prozesse zu unterstützen oder die eigenen Vorlieben zu verstehen und bewusster über die eigene Ernährung zu entscheiden.

Der Vortrag wendet sich an Menschen, die therapeutisch arbeiten und soll für die Beeinflussung der Berührbarkeit durch die Ernährung im therapeutischen Prozess sensibilisieren. Da die tägliche Ernährung des Klienten ihn dämpfen oder öffnen kann, können auch diese Gewohnheiten hinterfragt werden. Dafür werden typische Beispiele aus der Praxis gegeben. Kleine Impulse oder individuelle Ernährungsberatung begünstigen die Berührbarkeit.

Inke Kruse, Diplom-Ökotrophologin, Ernährungsberaterin nach Traditioneller Chinesischer Medizin, seit 10 Jahren in eigener Praxis in Bonn mit Einzelberatung, Vorträgen und Kochkursen tätig. Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem die Diätetik im Bereich Frauenheilkunde und Onkologie. In der Beratung verbindet sie dies mit dem Ansatz der Salutogenese. Außerdem ist sie als Referentin für chinesische Diätetik in der Fortbildung von Ärzten, Ökotrophologen und Heilpraktikern tätig. Email: tcm(at)inke-kruse.de

 

Die Rolle der Berührung im „Erfahrbaren Atem nach Prof. Ilse Middendorf®“

Veronika Langguth

Atem bewegt - Atem berührt -  im Atmen spüren wir unsere Lebenskraft, unsere Lebendigkeit, unsere Leib-haftigkeit.Im „Erfahrbaren Atem“ spielt das Berührt- werden über Leiberfahrungen eine wesentliche Rolle. Der Atem wird frei zugelassen, ohne seinen natürlichen Rhythmus über den Willen zu beeinflussen oder über eine Vorstellung in eine bestimmte Körpergegend zu dirigieren. Das geschieht über den Weg der Selbsterfahrung mittels Übungen und /oder den der Atembehandlung.

In der Atembehandlungstehen nicht Worte, sondern die Hand des Behandlers und der Atem des Liegenden im Mittelpunkt einer berührenden Begegnung zwischen gleichberechtigten Partnern, die vergleichbar ist mit einem verbalen Gespräch „unter vier Augen“.  Der Behandler orientiert sich an der Atembewegung des Liegenden, der bekleidet auf der Liege liegt - ein Hautkontakt würde vom Erspüren der Atembewegung ablenken.Die Hand des Behandlers macht keine Vorgaben, sie „fragt“ und der Liegende „antwortet“. Sie orientiert sich am Heilen. Sie spürt,nimmt entgegen,wie sich der Atem des Liegenden mitteilt - ob er loslassen, lösen kann, was irgendwann einmal ins Leibliche „abgeschoben“ wurde, im Form von Verkrampfungen, Unterspannungen oder Stauungen. Kann Vertrauen entstehen, sich einzulassen, Geborgenheit, Zuversicht, Freude - oder erlebt erAngst und Zweifel?

Auch über den Weg der Übungen ist derAtemder Lehrer, das „Leitseil“ (I. Middendorf).

Hier berührt, begegnet der Übende sich selbst, indem er über Dehnungen, Streichungen, Druck oder VokalatemraumarbeitAtembewegung wahrnehmen lernt und Empfindungsbewusstsein entwickelt. In der „Bewegung aus dem Atem“ überlässt er seiner ursprünglichen Atemkraft die Führung: Gesten und Schritte entstehen bis hin zum Atemtanz. Begegnen sich zwei oder mehrere Menschen in der Bewegung aus dem Atem, wird ihre Beziehung zueinander erlebbar und spürbar: schöpferisch und heilerisch entsteht etwas „Drittes“.

Über beide Wege wird Unbewusstes bewusst und berührt über Atem- und Leiberfahrungen erkennt der Übende sich selbst sowie seine Haltung zum Leben. Wandlung und Heil-Werden sowie Erkenntnisse bis hin zu spirituellen Erlebnissenwerden möglich. All diese Erfahrungen berühren tief und lassen sich unvollkommen über Worte mitteilen: Berührung über den Atem muss erlebt werden.

 

Das Dialogische Prinzip - Eine Einführung in die Qualität der dialogischen Präsenz und Achtsamkeit in Gespräch, Beratung und Seminar

Jana Marek und Johannes Schopp

Die Menschen vergessen, was du sagst und was du tust.
Aber wie sie sich in deiner Gegenwart gefühlt haben, vergessen sie nie.“ Maya Angelou

Der Dialog ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Diese "uralte Medizin" ist für die Weiterentwicklung und der Bewusstheit des Menschen gerade heute wieder von großer Bedeutung. Die dialogische Haltung schult die Fähigkeit achtsam und präsent zu sein, um den "Atemraum eines echten Gesprächs" (M. Buber) entstehen zu lassen.

Der Respekt vor der Unterschiedlichkeit und vor der Unvollkommenheit menschlicher Existenz ermöglicht angstfreies Lernen und Arbeiten. Durch die Verlangsamung und das Sprechen von Herzen werden unsere automatisierten Muster, die uns häufig zu stereotypen (Re)aktionen verleiten, gewandelt.

Auf diese Weise entsteht eine Atmosphäre, die die Beteiligten zu einem echten Austausch einlädt. Der Raum für eine heilsame Kommunikation und Begegnung zwischen einem ICH und einem DU erzeugt ein Gefühl von Annahme und Verbundenheit. Verbundenheit wiederum schenkt Vertrauen und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten und in die Welt. Heilsam wird die Kommunikation auch dadurch, dass wir unsere authentische eigene Stimme finden.

Das dialogische Prinzip ermöglicht ein Feld, das uns durchlässig werden lässt und die Entwicklung des Einzelnen wie auch der Gruppe fördert. Im Dialog kommen Gedanken und Gefühle ins Fließen. Als Dialogbegleiter laden wir dazu ein, sich berühren und überraschen zu lassen. Auf diese Weise können wir uns für das Zwischenmenschliche und das Lebendige öffnen, jenseits von Methoden und Techniken. Beinahe beiläufig gelingt die Stärkung und Bewusstheit der Persönlichkeit der Dialogteilnehmer.

In dem Vortrag laden wir die Menschen in helfenden Berufen, wie Therapeuten, Pfleger, Berater, Ärzte und Pädagogen ein zu hören und zu erleben, worin die Qualität und das Heilsame eines dialogischen Gespräches bzw. Seminars liegen.

Johannes Schopp Jg. 1954
Dialogprozess-Begleiter (Facilitator - Lehrausbilder), Diplom-Sozialarbeiter, Referent für Elternbildung im Jugendamt Dortmund, Autor des Buches "Eltern Stärken" und des Weiterbildungskonzeptes "Ermutigung zum Dialog" zur Weiterbildung von DialogbegleiterInnen, Vater von zwei erwachsenen Kindern, Musiker, Mitglied im Praxisbeirat der SINN-STIFTUNG

Jana Marek Jg. 1964
Dialogprozess-Begleiterin (Facilitator - Lehrausbilderin), Diplom-Sozialpädagogin,
Erzieherin, Ausbildung von DialogbegleiterInnen  nach dem Weiterbildungskonzept "Ermutigung zum Dialog", langjährige Erfahrungen in systemischer Familientherapie und im Tanz, Mutter einer erwachsenen Tochter

 

Innerliches Berührtsein & äußerliches berührt werden  - aus meiner täglichen Arbeitspraxis mit verschiedenen Generationen.

Margaretha Maria Mayr

Als Inhaberin einer gesund & kreativ Werkstatt mit Schwerpunkt Mosaik bin ich in verschiedenen Einrichtungen auf Honorarbasis tätig. Meine Angebote reichen von Qi Gong, Entspannung, Meditation, Kreistänze, Singen…bis Mosaiken in Kursen als auch  große Mitmachprojekte.

Ich habe mit allen Generationen zu tun und genau das gefällt mir so sehr.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie Menschen durch Musik, Singen, Tanzen, Geschichten  vorlesen, Wahrnehmungsübungen (Qi Gong) und im kreativen Tun  innerlich & äußerlich „Berührung“ erleben und wie gut ihnen das tut. Eine wunderbare Art, Gesundheit zu fördern.

Ich möchte in meinem Impulsreferat gerne Teile meiner Arbeit vorstellen.

Margaretha Maria Mayr
Schwalbenstrasse 15
90522 Oberasbach
Tel.:   0911/971 36 62
e-mail:  
info(at)gesundundkreativ.de
www.gesundundkreativ.de

 

Meine Hände  - Jin Shin Jyutsu® zum Kennenlernen

Brigitte Nagler

Berührungen gibt es seit Jahrtausenden und in allen Kulturen. Die mehrere tausende Jahre alte Japanische Heilkunst „Jin Shin Jyutsu“ ist angeborenes Wissen, das in jedem von uns steckt. Die Kunst zur Harmonisierung der Lebensenergie im Körper entstand aus innerer Weisheit.

Durch den Körper bewegt sich Lebensenergie in deutlichen Bahnen, welche im Jin Shin Jyutsu als sog. Ströme bezeichnet werden. Kann sie ungehindert fließen, ist der Mensch in Harmonie, im Gleichgewicht.  Stören Stress, Anstrengungen des Tages oder Emotionale Probleme den Energiefluss, neigt man eher dazu aus der Balance zu geraten oder auch krank zu werden.

Jin Shin Jyutsu ist eine sanfte Möglichkeit den freien Fluss der Energie wieder herzustellen, Stauungen zu lösen. Dies geschieht mit Hilfe der Hände, die in bestimmten Kombinationen auf angegebene Körperregionen über der Kleidung gelegt werden. Dadurchstärken Sie Ihr Immunsystem, spüren Entspannung und Wohlbefinden, bauen Ressourcen im emotionalen und geistigen Bereich auf. Das "Strömen" schließt die sog. Sicherheitsschlösser“ auf und bringt die Lebensenergie wieder in Fluss.

Jin Shin Jyutsu ist aber mehr als eine Technik oder Methode. Es ist eine Kunst, die unsere Achtsamkeit und unser Bewusstsein dafür weckt, dass alles was für Harmonie und Ausgeglichenheit  im physischen, psychischen und emotionalen Bereich ist, in uns selbst liegt.

Wir besitzen dafür einfache Werkzeuge: Unsere Hände und den Atem.

Durch das Halten einzelner Finger bringen Sie die Lebensenergie in Fluss. Dies führt bei regelmäßiger Durchführung zu einer simplen Gesundheitsförderung und –vorsorge.

Schlüssel zur intensiven Berührung:
Erfahren von Resonanz, Ausrichtung und Verbindung durch Shiatsu


Martina Nave

Shiatsu bietet viele aufschlußreiche Ansatzpunkte, um zu reflektieren, wie bei Berührung Resonanz entsteht. Als „Kunst der achtsamen Berührung“ wird die Behandlung zum Dialog ohne Worte. Ganz ohne Instrumente arbeitet Shiatsu mit Resonanz der Lebensenergie auf unterschiedlichsten Ebenen, wobei Diagnose und Impulssetzung fließend ineinander übergehen.

Im praktischen Teil dieses Workshops bekommen wir durch eine kurze, in die Alltagswelt gut übertragbare Abfolge von Bewegungen einen Eindruck von den unterschiedlichen Qualitäten der Lebensenergie, die beim Shiatsu spürbar sind.

Schon durch wenige Berührungsmomente könnnen wir Resonanz erzeugen und die Erfahrung machen, wie wichtig die eigene Ausrichtung für die Qualität der Berührung ist: Berührung, die bewegt! 

Wir gewinnen Einblick in das Meridiansystem und lernen besonders resonanzfreudige Punkte (aus der TCM als Akupunkturpunkte bekannt). Im Kontakt mit der Lebensenergie sorgt weniger der Berührungsdruck als die Einstimmung beim Berühren für Resonanz. Ähnlich wie in der Quantenphysik ist auch hier die Fragestellung und Ausrichtung des Betrachters beziehungsweise des Behandlers entscheidend für die Energien, die sich zeigen. Dass diese Energien auch über den materiellen Körper hinaus wahrnehmbar und berührbar sind, sollte uns zu denken und diskutieren geben ...

Martina Nave
Soziologin/ Ethnologin M.A.,
seit 1998 Shiatsu-Praktizierende

 

Empathisch Wissenschaft praktizieren - die Berührung mit chronischer Krankheit und Gewalt. K/eine methodische Seance.

Birgit Panke-Kochinke

Manchmal frage ich mich, was ich da eigentlich tue. Ich spreche mit Menschen mit Demenz. Ich spreche mit Menschen mit Multipler Sklerose. Ich spreche mit Kriegskrankenschwestern, die den Zweiten Weltkrieg hinter den Fronten erlebt haben. Ich spreche mit Krankenschwestern, denen von Patienten Gewalt angetan wird. Und ich spreche mit Schülerinnen und Schülern in der Altenpflege, die an dem zu zerbrechen drohen, was sie in der Praxis erleben. Warum tue ich das und wie gelingt es mir, Berührung zu ertragen und berührt zu sein ohne meinen Verstand zu verlieren? Und nicht nur das. Auch herausfinden zu können, wie Menschen mit ihrem Leben umgehen und welche Strategien sie entwickeln, um mehr oder weniger gut zu überleben?

Als Wissenschaftlerin brauche ich diese Berührungspunkte dringend, um verstehen zu können und ich brauche zugleich die Distanz, um sehen zu können. In dem Vortrag soll es darum gehen, welche persönlichen und methodischen Konsequenzen es hat, sich vertrauensvoll auf jemanden zuzubewegen, der eine schwebende Aufmerksamkeit verlangt und damit den Wissenschaftler fast schon zum Medium macht. Das hat weniger mit Zauberei als mit harter Arbeit an sich selbst zu tun. Berührung als zentrale Konstante wissenschaftlicher Arbeit kann nur gelingen, so die eingenommen und zu begründende Position, wenn man sich auch empathisch verhalten kann. Die Anwendung wissenschaftlicher Methoden sind ein Hilfsmittel dafür. Am Beispiel des Umgangs mit Menschen mit Demenz möchte ich meine Position erläutern.

PD Dr. Birgit Panke-Kochinke
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Arbeitsgruppe Forschungsstrategie und Methoden Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Standort Witten
Postfach 6250
Stockumer Straße 12
58453 Witten
tel   +049 2302 926-227
fax  +049 2302 926-239

 

Stimmige Berührung im Dialog

Theodor Dierk Petzold

Gedanken zur Einführung in das 8. Symposium

Wenn wir die Frage stellen, was mich wie berührt, sind wir mitten in unserer Stimmigkeitsregulation. Dort wo ich mich berührt fühle, nehme ich tief wahr, ob mich etwas aufbaut oder bedroht. Meistens sprechen wir dann von einem Gefühl des ‚Berührt-Seins‘,  wenn wir etwas wahrnehmen, das uns an eine stimmige Verbundenheit tief erinnert. Aus einem Berührt-Sein folgt eine Motivation für unser Leben.

Im Dialog können wir uns gegenseitig zunehmend öffnen, mit einem Vertrauen, das mit der Resonanz, die man erfährt, zunimmt. In einem offenen Dialog können wir uns Schicht für Schicht weiter öffnen und die Berührung vertiefen – wenn wir hinreichend Stimmigkeit finden. Diese Dialoge können sich über Augenkontakt und Mimik, Körperkontakt wie z.B. auch bei Massage oder als Gespräch entfalten.

Im Dialog gestalten wir einen gemeinsamen Resonanzraum und damit einen gemeinsam geteilten ‚Berührungsraum‘. Ein derart dialogisch hergestellter Berührungsraum ist etwas Intimes. Hier können wir uns am ehesten frei fühlen, unser auch emotionales Berührt-Sein zu empfinden und zu zeigen.

Weniger dialogische, mehr einseitige Kommunikation finden wir in kulturellen Berührungsräumen wie im Theater, Kino  und Fernsehen. Auch ein therapeutisches Setting ist als kulturell geschaffener Berührungsraum zu verstehen. Hier ist ein äußerer, professioneller Rahmen für dialogische Berührung vorgegeben. So kommen in der Therapie die zwischenmenschlich dialogische Lebens-Dimension und die kulturell professionelle Dimension zusammen zum Tragen. Die Art und Weise des Berührt-Seins ist bei beiden Dialogpartnern sehr unterschiedlich – wesentlich durch die kulturell vorgegebene Rollenverteilung im therapeutischen Berührungsraum geprägt.

Weiter gibt es von Religionen geprägte u.a. spirituelle Räume wie z.B. Kirchen, und von der Natur geprägte Berührungsräume mit besonderen Berührungsqualitäten wie z.B. Biotope, der Sternenhimmel u.v.a.m. – globale und universelle Räume, die die Qualität unseres Berührt-Seins innerhalb eines solchen Resonanz-Raumes wesentlich bestimmen.

Theodor Dierk Petzold
Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren
Europ. Cert. f. Psychotherapie ECP
Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der MHH
Zentrum für Salutogenese
theopetzold(at)salutogenese-zentrum.de
Am Mühlenteich 1
37581 Bad Gandersheim
Tel: 0049(0)5382-95547-0 Fax: -12

 

Berührung – Wahrnehmung und Bedeutsamkeit

Theodor Dierk Petzold

Berührt-Sein ist tiefe Wahrnehmung. Ich kann wahrnehmen, was in der Tiefe für mich stimmig oder unstimmig ist. Mit dieser Tiefe innerlich verbunden sein, heißt wahrzunehmen, was mir bedeutsam ist. Wenn wir den Weg vom Äußeren zum tiefen Berührt-Sein gegangen sind – möglicherweise einige Schritte auch während des Symposiums – beginnt nun der Weg wieder aus der Tiefe des Impliziten nach oben zum Expliziten. Wir wollen unsere Erfahrungen teilen, sozialisieren und mit der Sprache auch kultivieren. 

Wir beginnen mit einer Reflexion der Resonanzvorgänge. In einem Dialog mit unterschiedlichen Rollen erzählt Person A zu der Frage, was sie während des Symposiums besonders berührt hat und wie das Berührtsein von einem anderen Menschen bzw. von dem Rahmen geprägt wurde. Person B hört aufmerksam und aktiv zu. Dann werden die Rollen getauscht.

Im Kreistanz mit Sabine Olbrich kann noch eine weitere heilsame Erfahrung von Berührung in einem kulturell geprägten Berührungsraum gemacht werden – gemeinschaftlich ohne Worte und rhythmisch.

Am Sonntag im World-Café werden dann die reflektierten Erfahrungen in kreativen Gruppengesprächen an den Tischen explizit gemacht und dann auf den Tischdecken festgehalten.

Die Erfahrungen sollen unter folgenden Fragestellungen zusammengetragen werden:

  1. Welche Art von Berührung ist im Kindesalter besonders wichtig für die gesunde Entwicklung?
  2. Welche Art von Berührung ist im Erwachsenenalter besonders wichtig für die gesunde Entwicklung?
  3. Was ist bei Berührung in therapeutischen Situationen besonders wichtig und zu beachten?

 

Von der einfachen Berührung zur ganzheitlichen Begegnung

Sarah Pudelek

Wir können mit den Händen in jeder Berührung den ganzen Menschen erreichen, so weit wir uns selbst öffnen und uns im entstehenden Kontakt berühren lassen. Die meisten Menschen legen unwillkürlich die Hand auf den Bauch, wenn sie hier Unwohlsein oder gar Schmerzen verspüren. Schon diese Berührung wird als wohltuend und hilfreich empfunden. Dieses sich selbst Berühren ist ein Verhalten zu sich selbst. So lässt sich das Thema „Berühren ist immer zugleich auch ein Berührtwerden“ tatsächlich auch in der Selbsterfahrung erkunden. Wenn wir uns selbst die Hände auf den Bauch, das Brustbein oder um die Knie legen, kann jede und jeder für sich in aller Ruhe die Möglichkeiten der inneren Einstellung ausprobieren und zur eigenen inneren Haltung finden.
Berührung als ganzheitliches Geschehen ist ein Vorgang in der Zeit. Es ist nicht sofort da. Es hat Dauer, ist ein Prozess, der sich nach und nach erfahren lässt. In einem glücklichen Augenblick kann es zur Begegnung kommen. Auch das ist übrigens über die Berührung der Hände möglich: die Begegnung mit sich selbst. So - unter der Hand gestärkt - können wir dann einfache partnerschaftliche Berührung wagen und uns in ganzheitlicher Begegnung üben. Es braucht hierzu u. a. die Anwesenheit im Leiblichen, die Öffnung im Seelischen und die Sammlung im Geistigen. Ist in der Berührung der andere Mensch ganz gemeint, wird Begegnung möglich: im Ist-Zustand, ohne Erwartungen, dem Augenblick entsprechend.
Dieses im Leiblichen Erkanntwerden ist zutiefst heilsam für den Menschen: Es ist heilsam für beide Seiten.

Atempraxis Sarah Pudelek
An der Buchwiese 3
38644 Goslar-Hahnenklee
Tel. 05325 2548
kontakt(at)atemkultur.de
www.atemkultur.de
AtemOrakel, Blog der Atempraxis Sarah Pudelek: www.atemkultur.de/blog

 

„From the light touch to the touch of light“
Berührung in der Osteopathie

Andreas Risch

Neuere Erkenntnisse aus der Quantenphysik, insbesondere der Biophotonik, wie sie von Fritz Albert Popp entwickelt wurde, lassen Berührung im wahrsten Sinn des Wortes „in einem neuen Licht erscheinen“.

Diese sogenannten Biophotonen scheinen in einem hohen Ausmaß an den Stoffwechsel- und Regulationsvorgängen innerhalb und außerhalb der Zelle und bei allen Arten von Kommunikationsprozessen eine große Rolle zu spielen.

Messungen in entsprechenden Studien haben ergeben, dass sich besonders viele Biophotonen in den Fingerspitzen befinden.

Daraus kann man Rückschlüsse ziehen, dass Licht bei jeglicher Art von Berührung eine große Rolle spielt, physisch-taktil, visuell, aber auch affektiv, kognitiv, metaphysisch bzw. philosophisch-spirituell.

Die Berührung des Lichts im Sinne von „Beleuchtung/Darstellung“ und gleichzeitig

„Erleuchtung/Erkenntnis“ kann eine tiefgehende Berührung erzeugen, die unterstützt durch die physische Berührung zu einem dynamischen oder „bewegendem“ Ereignis werden kann und einen großen Beitrag zu einer gesunden Entwicklung leisten kann.

In der Osteopathie können diese Aspekte praktisch erfahren und nutzbar gemacht werden indem durch leichte und sanfte Berührung die elementaren Prozesse der „Berührung“ (sozialer Kontakt und Austausch) im Sinne einer salutogenen Kommunikation zu einer „Berührung des Lichts“ (Verstehen) werden können.

Andreas J. Risch, MSc, D.O., aus Eichstätt

 

Berühren und sich berühren lassen

Partner-Übungen im Yoga

Michael Röslen

„Yoga-Übungen“ dienen dem meditativen Dialog mit dem Geheimnis des eigenen Lebens.

In den Körperhaltungen des Yoga wird in besonderer Weise auf die Zeichen aus dem Körperraum gelauscht.  Es mag etwas ungewohnt sein, aber in unserer Perspektive auf Yoga betrachten wir Yoga-Übungen zweifach:

-  als trainierende Übung und - als Test.

Die Übung in Yoga kann alleine durchgeführt werden, mit einem Gegenüber ohne direkte Berührung, in berührender Partnerschaft.

Partner-Übungen in Yoga sind somit eine Variante der Versuchsanordnung in Yoga. Getestet wird die eigene Lebendigkeit, die Fähigkeit zum „schwingenden“ Mitgehen mit dem, was gerade ist. Da wir  uns nicht wertneutral begegnen können, ist es bedeutsam, sich klar zu sein wie man sich begegnet.

Gibt es in mir eine Bewegung „Hin zu“ ?
Gibt es in mir eine Bewegung „Weg von“ ?
Bin ich eher Freund oder Feind zum anderen hin ?
Erlebe ich mein Gegenüber eher als Freund oder Feind zu mir ?

Inwieweit bin ich berührbar – und damit auch verletzbar ?
Inwieweit ist mein Gegenüber berührbar – und damit auch verletzbar ?

Mit Berührung werden wir so oder so intim – also vertraut.  Als Feind oder als Freund. Man kommt sich nah – entweder in einer Spielart von Kampf oder einer Spielart von Zu-Neigung, manchmal auch in einer bizarren Mischung aus beidem.

Auch wenn es sicher zur allgemeinen Spielregel gehört, sich im Yoga-Unterricht freundlich zu begegnen, so ist doch auch hier die Dynamik der Erlebensreflexe im Spiel („find ich gut“ – „mag ich nicht“)…

So sind Partner-Übungen in Yoga eine besondere Art und Weise sowohl in Kontakt zu einem anderen Menschen zu gehen als auch in Berührung mit sich selbst.

Mit diesem Workshop laden wir ein, aus diesen Perspektiven eine authentische Erfahrung zu machen.

Michael Röslen
2. Vorstand BUGY      ) 05508-92135       bugyoga(at)t-online.de
Berufsverband Unabhängiger Gesundheitswissenschaftlicher Yoga-Lehrender

 

Berührung und Berührbarkeit: Die Kraft des Unmittelbaren
Was berührt Sie? Wann sind Sie berührt?

Dr. Ulla Sebastian

Sind Sie angesichts der Überflutung durch die Massenmedien noch berührbar vom Schicksal anderer Menschen? Leiden Sie mehr mit den Nachbarn, den realen Freunden oder den virtuellen 'Vertrauten' in Serien wie der Lindenstraße oder bei facebook mit?

In einer Zeit, die uns mit Schreckensnachrichten aus der ganzen Welt und Geschichten virtueller Wegbegleiter überflutet, stumpfen viele Menschen ab gegenüber dem realen Leid, aber auch der Freude und dem tiefen Empfinden.

Diese Entfremdung von dem Unmittelbaren hat Folgen für die seelische und körperliche Gesundheit, denn sie macht den Menschen taub gegenüber den Signalen des eigenen Körpers und der Seele

Wie können wir angesichts solcher Scheinwelten wieder zurück finden zu unserer unmittelbar erlebten Wirklichkeit, die das Herz und die Seele berührt, uns motiviert, erfüllt und handlungsfähig macht? Um diese Fragen geht es in meinem Vortrag.

Ein Schlüssel liegt in der sinnlichen Wahrnehmung des Hier und Jetzt, einer Rückkehr zu dem kindlichen Staunen über die Wunder und Schönheiten der sinnlich erfahrbaren Welt, was es uns erlaubt, aus etablierten gesundheitswidrigen Programmen auszusteigen.

 

Mediale Darstellung der Sexualität junger Frauen vs. Wege zu einer heilsamen Sexualität

Susanne Tönnies

Das Fernsehen gibt es für Massen zugänglich seit den 60er Jahren, Zugang zu den sogenannten digitalen Medien wie Internet seit den 90er Jahren. Damit verbunden ist Werbung als die treibende Kraft für die Wirtschaft. Gerade die Darstellung von Frauen und Männern oder besser gesagt deren Stereotypen werden gezielt eingesetzt – ganz nach dem Motto: „sex sells“!

Der Vortrag beinhaltet einen Exkurs zu typischen Bildern von Frauen in der Werbung, von Pop-Stars und ihrer Wirkungsweise. Besonders junge Menschen lassen sich von medialen Bildern berühren und übernehmen sie oft unreflektiert. Eine besondere Herausforderung für die eigene Berührbarkeit in der Sexualität stellt dabei der freie Zugang von Pornos dar, die extremste Form der medialen Darstellung der Sexualität.

Jugendliche haben oft viele Bilder im Kopf, bevor sie ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Gegenüber haben – Bilder, die Werte und Normen vermitteln, die sich in die zwischenmenschliche Berührbarkeit einmischen. Eine Sexualität, die auf Achtsamkeit und Vertrauen aufbaut, wird medial kaum vermittelt. Jedoch: Welche Werte sollen im Hinblick auf eine gesunde sexuelle Entwicklung vermittelt werden? Wie können trotz dieser medialen Flut von Bildern das Vertrauen in die eigene Sexualität gestärkt und eine heilsame Sexualität gefördert werden? Wie können wir Räume eröffnen, in denen Jugendliche mit der eigenen Sexualität auf behutsame Weise in Berührung kommen können?

Susanne Tönnies
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Kursleiterin TSF (Training der Selbstheilungsfähigkeit),
zuständig für Forschung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Organisation im Zentrum für Salutogenese