Zentrum für Salutogenese
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Forschungsprojekte

Eigene Forschung

Die Basis ärztlicher Forschung ist die Evidenz, das heißt: die auf Erfahrung und Einsicht beruhende einleuchtende Offenkundigkeit von therapeutischen Interventionen. Diese beginnt mit der Beobachtung von einzelnen Genesungsverläufen (Fallanalysen und -beschreibungen) und gewinnt zunehmend an breiterer Gültigkeit durch unterschiedliche Studiendesigns, wie z.B. die randomisierte Doppelblindstudie in der pharmakologischen Forschung sowie randomisierte prospektive Interventionsstudien mit Erfassung mehrerer möglicher Einflussfaktoren und multivariater Auswertung bei vielen anderen Interventionen, bei denen eine Verblindung nicht sinnvoll ist.

Unsere Forschung befindet sich noch im ersten Stadium der Fallbeschreibungen (s. Veröffentlichungen). Dabei haben wir oft überraschende Erfolge von ‚salutogener Kommunikation’ gesehen: PatientInnen haben wieder Eigenaktivität für ihre gesunde Entwicklung entfaltet und Fähigkeiten entwickelt, immer wieder Wohlbefinden herzustellen.

Geplant ist eine weitergehende Forschung zur Wirkung der ‚Sprechenden Medizin’, konkret von salutogenetisch orientierter Gesprächsführung auf den Verlauf chronischer Erkrankungen, die auf dem Autonomietraining nach Grossarth-Maticek aufbaut.

Grossarth-Maticek hat in umfangreichen Forschungen (‚Prospektive Heidelberger Interventionsstudien’) eine starke Wirksamkeit vom Autonomietraining (einer Gesprächsmethode zur Anregung der Selbstregulation) in Bezug auf ein langes gesundes Leben nachweisen können (s. Grossarth-Maticek, R.; 1999: Systemische Epidemiologie …, und 2000: Autonomietraining. Beide: de Gruyter).

Wir haben hierzu im Rahmen einer Ausschreibung einen Forschungsantrag 2008 bei der Bundesärztekammer BÄK ein Konzept dazu entwickelt. Für die Ausführung suchen wir noch die nötigen Mittel zur Finanzierung. Unabhängig von der BÄK wollen wir in jedem Fall gerne eine solche Forschung durchführen.

Weitere Forschungen

Forschungen zur Salutogenese anderer Institute (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Einen Überblick über die Forschungen mit dem ‚Fragebogen zur Lebensorientierung’ (SOC-Scale) von Antonovsky bis 1998 bzw. 2000 ist in dem Buch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA 2001: Was erhält Menschen gesund? zu finden. Die Übereinstimmungen eines niedrigen SOC mit Ängstlichkeit und Depressivität ist hoch. Ein „Zusammenhang zwischen Kohärenzgefühl und körperlicher Gesundheit“ ist nach den Forschungen mit diesem Fragebogen „nicht so eindeutig“ nachgewiesen (S.44).

Die Forschungen von R. Grossarth-Maticek, der die „autonome Selbstregulation“ epidemiologisch untersucht hat, zeigen einen starken Zusammenhang zwischen der „Fähigkeit, durch Eigenaktivität Wohlbefinden, Sicherheit, Lust und Sinnerfüllung“ herzustellen (=gesunde Selbstregulation) und der Erkrankung an chronischen Leiden (Grossarth-Maticek….). Er verwendet damit eine andere Konstruktion zur Beantwortung der Salutogenetischen Frage nach der Entstehung von Gesundheit als Antonovsky und hat auch ein anderes Studiendesign.

O. Bahrs (Göttingen), P. Matthiessen (Herdecke) u. a. haben in einem Modellprojekt im Auftrag der AOK eine salutogenetische Orientierung von praktizierenden Ärzten untersucht („Gesundheitsfördernde Praxen – Die Chancen einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis.“ 2007: Huber; AOK 2007: Erfolgsfaktor Kommunikation – Potenzial für eine verbesserte Arzt-Patient-Beziehung).

W. Filbert, Dipl.-Ökonom hat in einer Forschungsarbeit im Rahmen einer Dissertation zu dem Thema „Coaching für best-agers – Coaching zur Unterstützung des Kohärenzgefühls von Führungskräften in der zweiten Lebenshälfte“ anhand des SOC-Fragebogens (sense of coherence) von Aaron Antonovsky zeigen können, dass konkrete Coachingmaßnahmen das Kohärenzgefühl mit den Eckpunkten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit signifikant erhöhen.
In Korrelation mit dem Gießener-Beschwerde-Bogen (GBB) wurde positiv geprüft, ob Führungskräfte in der zweiten Lebenshälfte mit hohem Vertrauen in: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit weniger subjektiv empfundene körperliche Beschwerden haben als andere, die dieses Vertrauen nicht aufbringen. (s. Abstract zum Symposium 2007)